Slowenien: Die Bankenkrise verschlimmert sich

05-Bretton-aSlowenien ist als kleines Land in den Medien kaum präsent. Doch auch an der Peripherie der Eurozone zeigt sich die Krise. Das Hauptproblem in dem Balkanstaat sind die Banken und deren hohes Kreditvolumen. Wie sich nun herausstellt, muss der Finanzsektor mit schätzungsweise 7 Milliarden Euro unterstützt werden. Viele Kredite gelten als notleidend, und die Banken sind im Begriff, unter der Schuldenlast zusammenzubrechen.

Ursache ist die anhaltende Wirtschaftskrise in Europa, die auch slowenischen Exportunternehmen zu schaffen macht. Die Absatzmärkte in Südeuropa sind weggebrochen, und größere Marktanteile gingen verloren. Etliche Unternehmen sehen sich außerstande, Investitionskredite zurückzuzahlen. Einige Schuldner sind bereits seit mehreren Monaten im Rückstand mit ihren Raten. Hinzu kommt eine enge Verflechtung zahlreicher Banken mit der Regierung und staatsnahen Unternehmen, die nun auch in den Abwärtssog geraten. Drei größere Kreditinstitute befinden sich teilweise in öffentlicher Hand.

Slowenien benötigt 7 Milliarden Euro

Die Kreditvergabe wurde von einigen Instituten zu leichtfertig gehandhabt. Die Regierung in Ljubljana ist jetzt überfordert; denn ein Rettungspaket von 7 Milliarden Euro kann der slowenische Staat nicht ohne Hilfe von außen schultern. Die benötigten Summen entsprechen nämlich einem Fünftel der Wirtschaftsleistung des Balkanlandes.

Experten gehen aber nicht davon aus, dass Slowenien zu einem ernsthaften Problem für die Eurozone wird. Denn der Bankensektor belastet das Land im Vergleich zu anderen Staaten weniger. Während in der Eurozone im Durchschnitt die Bilanzsumme der Banken 350 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, kommt Slowenien gerade einmal auf 140 Prozent. Hier kann also Entwarnung gegeben werden.

Auch sonst ist Slowenien eher stabil. So beläuft sich die Staatsverschuldung lediglich auf 54 Prozent des Bruttoinlandsprodukt, während sie in Deutschland bei weit über 80 Prozent verharrt. Dennoch gibt die Entwicklung zu denken: Vor vier Jahren war Slowenien erst mit 21 Prozent verschuldet. Das Haushaltsdefizit ist mit 4 Prozent zu hoch.

Fazit

Slowenien ist als Land zu klein, um die Eurozone ernst gefährden zu können. Dennoch sind auch in Ljubljana umfassende Reformen dringend nötig. Die Präsidentin des Landes, Alenka Bratusek, möchte die Sanierung im Alleingang vollziehen. Die Gesundung des Finanzsektors soll durch die Gründung einer Bad Bank erfolgen. Als problematisch muss jedoch angesehen werden, dass Slowenien allein im Juni 2013 mehr als 7 Milliarden Euro an neuen Staatsschulden an den Kapitalmärkten aufnehmen muss.

 

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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