Der Schuldenschnitt in Griechenland kommt

09-Tempel-aDie schwere Krise in Griechenland geht weiter, und es ist keine Hoffnung am Horizont. Bis einschließlich 2014 wird Athen Hilfepakete in Höhe von insgesamt 240 Milliarden Euro erhalten haben. Doch die Reformen sind bisher spärlich, und die Wettbewerbsfähigkeit bleibt niedrig. Im öffentlichen Dienst wurden kaum Stellen abgebaut, und die Privatisierung von Staatsunternehmen gerät immer mehr ins Stocken.

Ein Schuldenerlass wird früher oder später kommen. Allein im August muss Griechenland Staatsanleihen im Wert 2,2 Milliarden Euro zurückzahlen. Die Verschuldung liegt offiziell noch immer bei weit über 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Öffentliche Gläubiger werden Verluste machen

Ein Schuldenschnitt würde diesmal nicht nur Privatanleger, sondern auch öffentliche Gläubiger wie die Europäische Zentralbank treffen. Die Verluste müssten vom Steuerzahler, und damit auch von der deutschen Regierung, ausgeglichen werden. Ein solches Szenario will man auf jeden Fall vor der Bundestagswahl im September vermeiden. Aber es ist sicher, dass es einen solchen drastischen Schuldenschnitt geben wird. Denn Griechenland wird es niemals schaffen, die riesigen Schuldenberge eigenständig abzubauen. Das Dramatische ist: Auch in Ländern wie Zypern und Portugal ist die Lage aussichtslos. Die Schuldenquote in Portugal liegt bei 120 Prozent des BIP, und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich die Regierung in Lissabon bereits 2014 wieder auf den internationalen Finanzmärkten Kapital beschaffen kann.

Italien in der Dauerkrise

Auch in Italien verschlechtert sich die Lage zusehends. Im vergangenen Jahr fiel die Wirtschaftsleistung um zwei Prozent, und auch für dieses Jahr wird ein Rückgang von 1,9 Prozent prognostiziert. Die italienische Wirtschaft befindet sich im freien Fall. Auch Italien könnte eines Tages auf Rettungspakete angewiesen sein.

Griechenland verarmt

Die schwere Wirtschaftskrise in Griechenland wirkt sich immer mehr aus. Das Gesundheitsbudget wurde seit 2008 um mehr als 40 Prozent gekürzt. Einige erhalten inzwischen nicht einmal mehr eine ausreichende ärztliche Behandlung. Krankheiten, die bereits überwunden zu sein schienen, breiten sich in Griechenland wieder aus. So ist im Süden Griechenlands die Zahl der Malaria-Fälle deutlich gestiegen. Viele Familien sind gezwungen, Gelegenheitsjobs anzunehmen, um unter diesen schwierigen Bedingungen noch über die Runden zu kommen. Die Arbeitslosenquote ist in Griechenland unvermindert hoch.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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