Zypern ist am Ende

09-Tempel-aAuch wenn man es sich nicht eingestehen mag: Zypern ist am Ende. Die drakonischen Sparmaßnahmen und die drastische Verkleinerung des Finanzsektors bringen die Mittelmeerinsel an den Rand des Abgrunds. Die harten Interventionen, die Brüssel dem zyprischen Staat auferlegt hat, sind so drückend, dass es nur eine Frage der Zeit, bis die Krise das gesamte Land erschüttert. Die von der EU verlangte Reduzierung des Bankensektors mag eine konsequente Forderung sein; aber keine Volkswirtschaft kann eine derart drastische Umwälzung überstehen. Selbst unter normalen Umständen müsste eine solche Umgestaltung mindestens über ein Jahrzehnt geplant werden.

Die EU-Kommission wollte an Zypern eine Art Exempel statuieren und durch ein sehr hartes Vorgehen der Öffentlichkeit deutlich machen, dass Misswirtschaft und mangelnde Reformbereitschaft nicht durch Milliardenhilfen honoriert werden. Aber Zypern war für die Notlage nur teilweise verantwortlich. Den Kollaps hat vielmehr der (nach außen als freiwillig deklarierte) Schuldenschnitt in Griechenland herbeigeführt, der den zyprischen Bankensektor an den Rand einer Katastrophe brachte. Zuvor hatten Brüssel immer wieder verlauten lassen, in der Europäischen Union werde es keine Staatsinsolvenz geben.

Die Situation spitzt sich deutlich zu

Während die mediale Aufmerksamkeit sinkt – immerhin stehen Bundestagswahlen bevor – spielt sich auf Zypern das nächste Drama ab. Die Kapitalverkehrskontrollen sind zwar immer noch in Kraft, aber das Land verliert dennoch unaufhaltsam von Monat zu Monat mehr Kapital. Die Bevölkerung versucht, Schritt für Schritt ihr Geld abzuziehen. Die Höhe der Bankeinlagen sinkt inzwischen unter das Niveau des Jahres 2007. Die Kreditwachstumsrate ist auf minus 22 Prozent gesunken. Das bedeutet: Auch Unternehmen erhalten keine Finanzierung mehr für Investitionen.

Ein Schuldenschnitt wird in Zypern unumgänglich sein. In Brüssel mag dies kaum Aufregung verursachen, denn das Staatsanleihenvolumen der Regierung in Nikosia ist vergleichsweise gering. Aber was vielleicht doch die EU-Kommission beschäftigen wird: Natürlich benötigt Zypern ein größeres Milliardenpaket, um die Krise zu bewältigen. Ohne weitere Unterstützung versinkt das Land in Armut, Elend und Not.

Das harte Nein aus Brüssel und Berlin zu mehr Milliarden ist mehr auf die bevorstehende Bundestagswahl zurückzuführen. Danach werden die neuen Milliardenhilfen für Nikosia sofort auf der Agenda stehen; denn eine Staatsinsolvenz ist nicht nur in Zypern zu befürchten, sondern auch in Griechenland und eventuell in Portugal. Um dies zu verhindern, wird es einen umfassenden Schuldenschnitt geben.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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