Das Krisenland Zypern

12-Affe-bAuch wenn die mediale Aufmerksamkeit inzwischen geschwunden ist, Zypern bleibt weiterhin ein krisengeschütteltes Land, das immer tiefer in die Rezession rutscht.

Erst kürzlich gab das statistische Amt der Mittelmeerinsel bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um drastische 5,2 Prozent geschrumpft ist. Dies ist jedoch erst der Anfang, denn die notwendigen Reformmaßnahmen wurden zwar eingeleitet, aber die größten Umstrukturierungen stehen noch bevor und könnten das Land an den Rand des Abgrunds bringen. Allein die Verkleinerung des Bankensektors wird die Arbeitslosenquote dramatisch ansteigen lassen. Bereits im Juni 2013 nahm sie im Vergleich zum Mai um 38 Prozent zu.

Die Kapitalverkehrskontrollen sind weiterhin in Kraft; dennoch verliert das Land immer mehr an Kapital, da die Menschen ihre Ersparnisse Monat für Monat, soweit dies möglich ist, allmählich abziehen, um zu retten, was noch zu retten ist. Erstaunlicherweise wurde offiziell nie ein Endtermin für die Kontrollen festgelegt, was darauf hindeuten könnte, dass sich die EU-Kommission auf einen solchen Dauerzustand in Zypern einrichtet.

Das Scheitern der Europolitik

In Brüssel und in Berlin tendiert man dazu, die Augen zu verschließen. Während zahlreiche Länder der Eurozone unter einer Rekordarbeitslosigkeit stöhnen und die soziale Kluft sich immer mehr ausweitet, übt man sich in Brüssel in Zweckoptimismus. Solange es nicht gelingt, eine sinnvolle und akzeptable Lösung für die Schuldenkrise zu finden, wird der Konflikt weiter schwelen und die Eurozone in eine wenig attraktive Wirtschaftsregion verwandeln. Investoren werden andere Länder bevorzugen, und in Europa wird der Wohlstand immer mehr zurückgehen.

Das Eiserne Zeitalter des Hesiod

Einst hatte der griechische Dichter Hesiod in seiner Geschichtsphilosophie eine Abfolge von Zeitaltern beschrieben, die sich immer mehr verschlechtern. Diese Erklärung passt auch für unsere Epoche: Nach dem Goldenen Zeitalter der fünfziger Jahre, als das Wirtschaftswunder für Vollbeschäftigung und hohes Wachstum sorgte, folgten das silberne und bronzene Zeitalter der folgenden Jahrzehnte, die durch die Ölkrise und Rezessionen bereits geprägt waren. Unsere Ära ist nun im Eisernen Zeitalter angelangt, das nach Hesiod durch eine Verfinsterung gekennzeichnet wird.

Das Wirtschaftswachstum ist fast zum Erliegen gekommen und erreicht bestenfalls Werte von unter einem Prozent. Die Infrastruktur verfällt, wie die Zustände bei der Bahn und auf den Straßen belegen, und das reale Einkommen steigt kaum noch. In vielen Ländern türmen sich enorme Schuldenberge auf. Es bleibt zu hoffen, dass sich am Ende doch noch alles zum Guten wendet.

Das Buch zum Blog

In meinem Buch Europa im Würgegriff können Sie Ursachen, Abläufe und Auswirkungen von Finanzkrisen nachlesen. Dabei stelle ich auch historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge der aktuellen Krise dar. Lassen Sie sich überraschen, wie lange es bereits Krisen gibt, wie oft bekannte Staaten bereits Bankrott melden mussten und was eine Schwarzwälder Familie machen würde, wenn es den Euro nicht mehr geben würde. Dies und viel mehr steht in meinem aktuellen Buch. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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