Das Ende des Wohlstands

15-Sonne-aEuropa ist am Ende des Wohlstands angelangt. Die satten Jahrzehnte, in denen es zumindest ein einigermaßen akzeptables Wirtschaftswachstum gab, sind vorbei. Die Reallöhne sinken, und viele müssen mit erheblichen Einschnitten bei der Alterssicherung rechnen.

Eine Nachricht über Griechenland passt zu diesem Szenario: Das Arbeitsinstitut des Gewerkschaftsverbandes (INE-GSEE) rechnet damit, dass in Griechenland die Rekordarbeitslosigkeit zwanzig Jahre andauern werde. Erst danach besteht wieder die Aussicht, dass die Rate auf unter zehn Prozent sinkt. Derzeit sind 27,6 Prozent ohne Beschäftigung. Die Kaufkraft in Griechenland hat das Niveau von 1999 erreicht. Auch Spanien, Portugal und Italien befinden sich in einer schweren Krise, die zu immer mehr Elend, Armut und Not führt.

Deutschlands Rentenproblem: 80 Mrd. Zuschuss für die Rente

Wer nun glaubt, dass dieser Niedergang sich auf Südeuropa beschränken werde, irrt. In Deutschland könnte das Rentenproblem immer vordringlicher werden. Der Generationenvertrag, der als Basis der gesetzlichen Rentenversicherung gilt, funktioniert nicht mehr. Darüber hinaus tragen atypische Beschäftigungsverhältnisse dazu bei, dass die Grundlage immer mehr erodiert. Das schwache Wirtschaftswachstum und die sinkenden Reallöhne sind weitere Faktoren, die das Problem verschärfen.

Was die wenigsten wissen: Der Staat zahlt jährlich 80 Milliarden Euro in die Rentenkasse ein. Ohne diesen Zuschuss wäre das Rentensystem längst Geschichte. Das sind fast 30 Prozent des Staatshaushaltes. Man muss nicht Adam Riese sein, um zu erkennen, dass ein Land, das fast ein Drittel seiner Einnahmen für die Stützung der Rentenversicherung aufwenden muss, in nicht ferner Zukunft ein ernstes Problem haben wird.

Dem Staat fehlen die nötigen Mittel für Investitionen in die Infrastruktur (sozialer Wohnungsbau, Straßen, Schienenverkehr) und in die Zukunft (Forschung, Wissenschaft und Bildung). Die Altersvorsorge wird aber dennoch immer unzulänglicher. Schon heute bekommt der berüchtigte Eckrentner (eine fiktive statistische Figur) nach 45 Beschäftigungsjahren eine monatliche Rente von knapp über 1000 Euro. Für die meisten Menschen bedeutet das gegenwärtige Rentensystem langfristig Altersarmut; denn kaum jemand kann heutzutage angesichts der hohen Anforderungen an die Qualifikation und nach der Gründung einer Familie 45 Jahre kontinuierliche Arbeitstätigkeit vorweisen.

Vielleicht sollte sich die Politik von den europäischen Nachbarn inspirieren lassen. In den Niederlanden beispielsweise gibt es das Drei-Säulen-System, das aus einer staatlichen Grundrente und einer staatlich geförderten betrieblichen und privaten Altersvorsorge besteht. Dadurch wird das Risiko viel sinnvoller auf mehrere Systeme verteilt.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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