Die Gefahren der Bankenunion

17-Muenze-aDie EU-Kommission versucht, die Bankenunion so schnell wie möglich zu etablieren. In einigen südeuropäischen Ländern sind zahlreiche Institute unterkapitalisiert und benötigen Finanzhilfen. Das Problem, das die schwere Krise von 2007/2008 auslöste, ist bis heute nicht überzeugend gelöst. Viele toxische Kredite wurden zwar in Bad Banks ausgelagert, aber noch immer sitzen die Banken auf Krediten, die nicht mehr bedient werden. Vor allem der Bankensektor in Spanien und in Slowenien steht vor neuen Herausforderungen.

Selbstbedienung beim ESM

Viele Staaten scheuen einen offiziellen Antrag beim ESM; denn dies würde bedeuten, dass sie sich einem Sparkurs unterziehen und die Troika in ihrem Land empfangen müssen. Die Politik möchte sich diesen schmerzhaften Gesichtsverlust ersparen. Daher gibt es einen Schleichweg für Hilfen: Banken können, sobald die europäische Bankenaufsicht durch die EZB installiert sein wird, direkt beim ESM Milliarden anfordern. Auch Länder wie Irland spielen inzwischen mit dem Gedanken, die bereits erhaltenen Milliarden für die Bankenrettung einfach auf den ESM umzubuchen und so die Staatsverschuldung zumindest nach außen hin zu senken.

Die Banken in der Krise

Noch immer sind manche Banken sehr angeschlagen. Die Kreditinstitute haben Derivate im Wert von mehreren Billionen Euro in den Büchern stehen, aber nur unzureichende Absicherungen getroffen. Manche Bank hat nur eine Kernkapitalquote von weniger als drei Prozent. Das bedeutet: Wenn es hart auf hart kommt, verfügen diese Institute nur über ein winziges Eigenkapital von drei Prozent. Sollte sich herausstellen, dass einige Derivate unzulänglich abgesichert sind und hohe Summen fällig werden, bräche eine solche Bank förmlich wie ein Kartenhaus zusammen.

Die Staaten holen sich das Geld von den Kunden

Der Fall Zypern wird zur Blaupause für die Rettung von Banken. Dass Aktionäre als Eigentümer der jeweiligen Bank, sofern es sich um eine Aktiengesellschaft handelt, Verluste hinnehmen müssen, ist nachvollziehbar. Dasselbe gilt für Bankanleihen. Bei einer Insolvenz werden sie – abgesehen von einer Restquote – wertlos. Betroffen davon wären aber bereits Privatpersonen und vor allem Versicherungen und Pensionsfonds. Die Einlagen der Kunden sind zumindest noch bis zur Grenze von 100.000 Euro geschützt. Aber die Kontroverse um die Banken auf Zypern hat gezeigt, dass sich auch solche EU-Richtlinien durch Sondersteuern und -abgaben gezielt umgehen lassen. Es bleibt abzuwarten, wie im Ernstfall eine schwere Bankenkrise in einem EU-Land bewältigt wird. Größere Länder wie Frankreich oder Spanien können dann vermutlich bessere Konditionen aushandeln als kleinere Staaten.

Das Buch zum Blog

In meinem Buch Europa im Würgegriff können Sie Ursachen, Abläufe und Auswirkungen von Finanzkrisen nachlesen. Dabei stelle ich auch historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge der aktuellen Krise dar. Lassen Sie sich überraschen, wie lange es bereits Krisen gibt, wie oft bekannte Staaten bereits Bankrott melden mussten und was eine Schwarzwälder Familie machen würde, wenn es den Euro nicht mehr geben würde. Dies und viel mehr steht in meinem aktuellen Buch. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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2 Gedanken zu „Die Gefahren der Bankenunion

  1. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich ebenfalls intensiv mit dieser Thematik, vor allem jedoch mit dem derivativen Wertpapieren, beschäftig. Dazu kann ich nur sagen, dass viele Menschen sind sich über die immense Bedeutung von Derivaten nicht bewusst sind. Die immense Größe des Derivatemarktes ist für Normalbürger unverständlich. Neben dem Einsatzgebiet von Derivaten, welches sinnvollerweise in der Risikominimierung, jedoch leider auch in der Spekulation befindet, stellt der Derivatemarkt sicherlich ein potenzielles Risiko dar. Hierbei geht das Risiko von seiner Größe, bzw. Unregulierbarkeit aus. Auf den zweiten Blick muss man jedoch auch die Sinnhaftigkeit von Derivaten betrachten. Anhand eines sinnvollen Einsatzes können Derivate gezielt Risiken minieren. Anhand dieser Tatsache sind sie ein essentieller Bestandteil der Finanzwirtschaft – und werden dies auch bleiben. Wahrscheinlich wird ihnen vor allem im Bereich der Geldanlage in Zukunft noch eine größere Bedeutung zukommen.

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