Die Banken stehen vor einer Herausforderung

16-Safe-cDas Jahr 2014 wird für die Banken in Europa zu einer ernsthaften Herausforderung; denn dann muss ein Teil der Liquiditätshilfen zurückgezahlt werden. Für einige Kreditinstitute bedeutete dieser mögliche Aderlass eine harte Probe. Aber dazu wird es nicht kommen.

Die Europäische Zentralbank hatte, um einen Kollaps des Bankensektors abzuwenden, Liquiditätshilfen (Long-term refinancing operations, LTROs) in Höhe von über einer Billion Euro zur Verfügung gestellt. Diese Billion ist in den Rettungsmilliarden, die die EU bewilligt hat, nicht enthalten. Vielmehr handelt es sich um eine zusätzliche, generöse Finanzspritze der Zentralbank. Schon allein die Größenordnung verdeutlicht, mit welchen Summen solche Rettungsaktionen ganz beiläufig erfolgen. Für diese eine Billion müssen die Banken lediglich ein Prozent Zinsen entrichten.

Dieses großzügige Geschenk aus Frankfurt war für viele Banken eine enorme Verlockung. Doch nun steht die Rückzahlung an. Allein die spanischen Banken müssten 225 Milliarden Euro an die EZB überweisen; Italiens Bankensektor schuldet der Notenbank aufgrund der Liquiditätshilfen noch 233 Milliarden Euro, und Frankreich müsste 87 Milliarden begleichen. Portugal steht mit 45 Milliarden in der Schuld der EZB.

Überbrückungskredite als Dauerfinanzierung?

Liquiditätshilfen sind eigentlich nur eine Art Überbrückungskredit für kurzfristige Engpässe. Doch im Augenblick sieht es so aus, dass die Banken in Europa selbst diese kurzfristigen Kredite nicht sofort begleichen können. Im Gegenteil: Die Banken benötigen weitere Kredite. Vielleicht sollte man in Frankfurt einfach eine neue Liquiditätshilfe erfinden. Wie wäre es mit „Mid-term refinancing operations“ (MTROs)?

Es gibt allerdings einen wesentlich einfacheren Ausweg: Diesmal holen sich die Banken das benötigte Geld einfach beim ESM. Zu dieser Komödie passt natürlich ein Vorschlag aus Brüssel: Die neuen Milliardenkredite und die damit verbundene höhere Verschuldung sollen natürlich keinesfalls in die Statistik der einzelnen Länder einfließen. Dadurch kann man zumindest „optisch“ den Schuldenstand etwas senken.

Ich wage mir nicht vorzustellen, wohin uns diese Schuldenkrise in ein paar Jahren noch führen wird.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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