Wie wird es enden? Deflation oder Inflation?

17-Muenze-cDie meisten Experten sind sich nicht einig, wie die Schuldenkrise zu bewerten ist. Einige Optimisten verweisen gerne darauf, dass inzwischen das Wirtschaftswachstum in einigen EU-Ländern wieder anzieht. Am liebsten wäre es manchen, sie könnten gleich das Ende der Schuldenkrise verkünden. Andere wiederum warnen vor einer Eskalation und sehen am Horizont größere Katastrophen wie Staatsbankrotte und Währungsreformen. Betrachten wir einmal die möglichen Szenarios.

Der unwahrscheinlichste Fall: Alles wird gut!

Nachdem die Zentralbanken in aller Welt Billionen in den Geldkreislauf gepumpt, Staatsanleihen aufgekauft und die Banken saniert haben, beginnt eine neue Phase des Wohlstands. Griechenland blüht auf und entwickelt sich zu einem prosperierenden High-Tech-Standort; Spanien wird führender Exporteur von hoch entwickelten Spezialmaschinen; und Italiens Industrie erobert die asiatischen Wachstumsmärkte. Das sind leider nur Träume.

Hyperinflation und Währungsreform

Viele Krisengurus bevorzugen indes dieses Szenario: Die riesigen Geldmengen führen früher oder später zu einer Hyperinflation, die große Geldvermögen vernichtet und anschließend in eine Währungsreform mündet. Einige halten sogar einen militärischen Konflikt für möglich, der vom innenpolitischen Versagen ablenken soll. Indizien für eine solche mögliche Entwicklung sind: Viele Länder sind bereits hoffnungslos überschuldet und werden trotz aller Milliardenhilfen niemals schuldenfrei werden. Staaten wie Griechenland, Portugal, Zypern oder Spanien haben auch bei äußerster Sparsamkeit und einem ausgeprägten Reformwillen nicht die geringste Chance, den Schuldenstand zu reduzieren. Das ist einfach eine Frage der Arithmetik. Wer eins und eins zusammenzählt, kann sich schnell ausrechnen, dass bei dieser Staatsverschuldung längst der Point of no return erreicht ist. Eine Währungsreform ist daher durchaus im Bereich des Möglichen. Erschwerend kommt hinzu, dass Japans Wirtschaft angeschlagen ist. Fachleute gehen davon aus, dass es noch vor der Olympiade im Jahr 2020 zu einem Crash kommen wird. Die gesamte Weltwirtschaft würde in Mitleidenschaft gezogen, zumal auch die USA mit einem Schuldenberg von fast 17 Billionen US-Dollar belastet sind.

Das japanische Szenario: Die Deflationsspirale

Mindestens ebenso beklemmend ist ein anderes Szenario: Eine lang anhaltende Deflationsspirale, die ganze Wirtschaftsräume in den Abgrund zieht. Als Japan 1990 den glanzvollen Höhepunkt in der Wirtschaftsgeschichte erreichte, waren einige Quadratkilometer in Tokios Innenstadt so viel wert wie alle Grundstücke in Kanada zusammen. Was danach folgte, war ein jahrzehntelanger Absturz in Raten. Der japanische Leitindex fiel auf rund ein Viertel seines Höchststandes. Die Regierung in Tokio musste Billionen in die Wirtschaft pumpen, um Banken und Versicherungen zu stützen und dies seit fast einem Vierteljahrhundert. Der Abstieg war dramatisch. Dennoch hatte Japan Glück, denn das Land konnte sich dann riesiger Reserven eigenständig finanzieren und weiterhin hohe Außenhandelsüberschüsse erzielen. Ganz anders sähe eine solche Krise in den USA aus: Das Land ist von ausländischen Investoren immer mehr abhängig, und der Außenhandel lahmt. China ist mit Abstand der größte Gläubiger und wird mit Blick auf die gigantischen Summen, die die US-Notenbank in den Kreislauf pumpt, immer nervöser.

Trotz der Billionen hat die Inflation zumindest oberflächlich betrachtet kaum angezogen. Was sich aber zeigt, ist: Es gibt eine Asset-Inflation, die vor allem Vermögenswerte wie Immobilien und Aktien in die Höhe treibt, da die Banken das Geld nicht für Investitionen in der Realwirtschaft zur Verfügung stellen.

Das japanische Szenario könnte dazu führen, dass einige Wirtschaftsräume einen sich beschleunigenden Wohlstandsverlust erleben. Ähnlich wie in Japan werden sie einen jahrzehntelangen Niedergang durchmachen, der durch die hohen Schuldenberge entstanden ist. Zombie-Banken, die nur noch durch die Notenbanken am Leben erhalten werden, belasten die Wirtschaft. Keine guten Perspektiven! Und es besteht die Gefahr, dass das japanische Szenario in einigen Teilen der Welt real werden könnte.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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3 Gedanken zu „Wie wird es enden? Deflation oder Inflation?

  1. Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluss auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation, bei der alle auf Geld lautenden Forderungen vernichtet werden.

    Damit das Geld unter allen Umständen sicher umläuft und die Zentralbank überhaupt die Möglichkeit hat, den Geldwert anhand eines repräsentativen Konsumgüter-Preisindex auf unbegrenzte Zeit absolut stabil zu halten, müssen die destruktiven Umlauf“sicherungen“ Urzins und schleichende Inflation durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung ersetzt werden.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

  2. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes … jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …

  3. „In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben.“

    Irrtum. In einer gesunden Wirtschaft gibt es gar keine Konjunkturzyklen mehr, sondern eine beständige Konjunktur:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/08/naturliche-wirtschaftsordnung.html

    Dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in „God´s own country“ schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstehen konnte,…

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

    …beruht auf einer uralten Programmierung des kollektiv Unbewussten:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/einfuhrung-in-die-wahrheit.html

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