Der Bitcoin – das Gold des Internetzeitalters?

09-Tempel-cImmer mehr Medien berichten nun über den Bitcoin, der dank seines Höhenflugs ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Am 19.11.2013 erreichte der Bitcoin im Tagesverlauf einen Spitzenwert von über 900 US-Dollar Doch ist die virtuelle Währung eine realistische Alternative für Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken?

Der Nachteil der bisherigen Währungen besteht darin, dass sie von den Notenbanken gesteuert und geschaffen werden. Eine Währung hat nur so lange Bestand, wie die Mehrzahl der Menschen ein ausreichendes Vertrauen in die entsprechende Volkswirtschaft hat. Würden durch eine schwere Wirtschaftskrise Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit aufkeimen, könnte eine Währung sehr schnell abstürzen.

Die Illusion der Golddeckung

Kritiker schlagen deshalb oft eine Golddeckung vor; doch auch in der Geschichte hat sich die Golddeckung nicht wirklich bewährt. Schon im Kaiserreich bis 1914 war nur noch ein Drittel der Banknoten durch das gelbe Edelmetall abgesichert. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs kam die Golddeckung vollständig zum Erliegen, und in der Weimarer Republik musste sie aufgegeben werden. Ein ähnliches Schicksal ereilte das relativ stabile System von Bretton Woods, das 1944 beschlossen wurde. Die USA garantierten die Einlösung von US-Dollar in Gold, wobei diese Regelung nur für das Ausland galt. Als der Vietnam-Krieg die Staatsverschuldung in die Höhe trieb, musste die Goldeinlösepflicht in den siebziger Jahren abgeschafft und das internationale Währungssystem freigegeben werden. Die Währungskurse bildeten sich von nun an nach dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.

Der Bitcoin – das Gold des Internetzeitalters?

In diesem Jahr stieg der Wert des Bitcoin von 20 US-Dollar auf über 900 US-Dollar. Der Bitcoin hat gegenüber Gold mehrere Vorteile: Er ist viel leichter handelbar und eignet sich auch für Transaktionen, die online abgewickelt werden. Bitcoins müssen nicht umständlich gelagert werden wie Goldmünzen oder Goldbarren. Das wichtigste Kriterium aber ist: Der Bitcoin gilt von Vornherein als inflationssicher, da die absolute Zahl der virtuellen Münzen auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist. Aufgrund der Programmierung kann diese Maximalgrenze nicht erhöht werden.

Natürlich kann auch die Goldmenge nicht beliebig ausgeweitet werden. Der Abbau von Gold ist aufwändig und teuer – aus einer Tonne Gestein wird in der Regel nur ein Gramm Gold gewonnen. Die gesamte Menge des gelben Edelmetalls, die in der Geschichte der Menschheit geschürft wurde, könnte man in einem größeren Einfamilienhaus unterbringen. Insofern müsste der Wert des Goldes sehr inflationssicher sein. Problematisch ist aber, dass der Markt von den Notenbanken dominiert wird. Allein durch gezielte Käufe und Verkäufe kann der Goldpreis verändert werden.

Eine unabhängige virtuelle Währung

Die Vorteile einer unabhängigen virtuellen Währung werden sogar von den Notenbanken selbst anerkannt. Der chinesische Internetgigant Baidu akzeptiert inzwischen Bitcoins als Zahlungsmittel. In Berlin gibt es über zehn Läden und Einrichtungen, in denen man mit Bitcoins bezahlen kann. Mittlerweile nehmen auch eine Musikschule und ein Heilpraktiker die virtuelle Währung entgegen. Ob sich das digitale Geld durchsetzen kann, hängt letztlich davon ab, ob es gelingt, den Bitcoin für den Alltag sicher zu machen.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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Ein Gedanke zu „Der Bitcoin – das Gold des Internetzeitalters?

  1. Die Meinungen zum Thema Bitcoin gehen wirklich in zwei unterschiedliche Richtungen und Nachrichten, wie man sie über die Bitcoin Börse Mt. Gox hört, tragen nicht dazu bei, dass das Vertrauen in eine solche digitale Währung steigt. Ich persönlich bin davon jedenfalls noch nicht überzeugt, dennoch biin ich sehr gespannt, wie sich das alles in der nächsten Zeit weiter entwickeln wird.

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