Der Paukenschlag der EZB

01-Euro-bFür viele Experten völlig unerwartet senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins auf das historische Rekordniveau von 0,25 Prozent. Dadurch nähern sich die großen Wirtschaftsräume USA, Japan und Europa an. Die Märkte weltweit werden mit Geld förmlich überflutet. Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte gab es eine derartige Liquidität. Was werden die Konsequenzen sein?

Die finanzielle Repression

Am schlimmsten trifft es die Sparer. Herkömmliche Anlagen wie Sparpläne, Sparbücher oder Lebens- und Rentenversicherungen werfen aufgrund der historisch niedrigen Zinsen kaum noch Erträge ab. Die Altersvorsorge vieler Menschen ist dadurch erheblich gefährdet, zumal das Niveau der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren deutlich absinken wird. Ähnlich wie in den fünfziger Jahren erfolgt die Entschuldung der Staaten über sehr niedrige Zinsen. Damals hatten die USA sogar den Zinssatz durch Gesetze gedeckelt. Das ist heute nicht mehr nötig, da die Notenbanken ohnehin die Zinsen auf ein Niveau abgesenkt haben, das in der ganzen Wirtschaftsgeschichte einmalig ist. Selbst im Mittelalter oder in der Antike wird man kein Beispiel für so spärliche Zinsen finden.

Die nächste Blase an den Märkten

Auf der anderen Seite sorgt die überschäumende Geldflut für neue Blasen. Insbesondere die Immobilienmärkte in Ländern, die bislang von der Krise verschont blieben, werden auf Rekordniveau steigen. Auch in Deutschland zeigen steigende Mieten und Immobilienpreise, wohin die Entwicklung geht. Langfristig dürften die Notenbanken beträchtliche Probleme haben, das Geld, das nun in die Märkte strömt, wieder einzusammeln. Schon die kleinste Erhöhung des Leitzinses bringt Länder wie Japan oder Griechenland an den Rand des Abgrunds.

Im Gegenteil: Vermutlich wird die Leitzinssenkung nicht ausreichen, um die lahmende Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln. Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich werden auf weitere Impulse angewiesen sein.

Insgesamt führt die expansive Geldpolitik zu weiteren gravierenden Problemen. Falls es den Notenbanken nicht gelingt, die Konjunktur deutlich voranzutreiben und anschließend die Liquidität wieder abzuschöpfen, ist eine Jahrhundertkrise vorprogrammiert.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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