Die nächsten zehn Jahre

04-Tanz-aDie Federal Reserve hat zwar den Umfang der Anleihenkäufe verringert, aber die Reduzierung ist minimal. Die Geldschwemme geht weiter, und die Leitzinsen bleiben weiterhin auf Rekordtief. Wie werden sich die nächsten zehn Jahre entwickeln?

Szenario 1: Die japanische Eiszeit

Am wahrscheinlichsten ist das japanische Szenario. Das Land befindet sich seit 1990, als die Immobilien- und Börsenblase platzte, im Niedergang. Zeitweise fielen die Aktien auf unter ein Viertel ihres Höchstwertes. Die Regierung in Tokio konnte trotz zahlreicher Konjunkturprogramme die Wirtschaft nicht aus ihrem Tal holen. Noch immer ist das Wirtschaftswachstum äußerst bescheiden, und Japan hat nicht die geringste Chance, jemals wieder an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

Ähnlich wird es der gesamten Eurozone und den USA ergehen. Die äußerst hohe Staatsverschuldung lähmt die gesamte Wirtschaft und verhindert eine Erholung. Bei historisch niedrigen Leitzinsen wird die Altersvorsorge gefährdet. Es beginnt ein allmählicher, aber unaufhaltsamer Abstieg. Die Bereitschaft, grundlegende Reformen durchzusetzen, ist nicht mehr vorhanden.

Szenario 2: Der große Crash

Viele Länder werden ihren Schulden nicht mehr begleichen können; daher kommt es zu einem Schuldenschnitt. Jedoch wird man sich bemühen, diese drastische Maßnahme zu verschleiern, indem die Tilgung immer wieder ausgesetzt oder auf Jahrzehnte verlängert wird. Irgendwann jedoch wird durch solche Taktiken die Geldwertstabilität beeinträchtigt. Dann genügt bereits ein unbedeutendes Ereignis, um eine Lawine auszulösen.

Aufgrund ihrer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit sind Staaten wie Griechenland, Portugal und Spanien langfristig in der Eurozone nicht zu halten; es sei denn, es finden anhaltende Transfers in Billionenhöhe von Nord nach Süd statt, die einen Ausgleich schaffen. Die Europäische Zentralbank könnte unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen. Es wäre der Anfang vom Ende der Eurozone in der jetzigen Form.

Die entwickelten Länder werden an Einfluss im Weltfinanzsystem verlieren, und die Schwellenmärkte werden an Bedeutung gewinnen. Der chinesische Renminbi wird zu einer neuen Weltwährung aufsteigen.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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