Die Risiken der Bankenunion

17-Muenze-cDie geplante Bankenunion birgt zahlreiche Risiken, die sich langfristig auswirken. Es besteht die Gefahr, dass das Projekt misslingt und zu einer Zerreißprobe für die Eurozone wird. Nach derzeitigem Stand sollen an erster Stelle die Aktionäre der Banken und an zweiter Stelle die Gläubiger der Kreditinstitute für eine Sanierung herangezogen werden. Viele neigen dazu, einem solchen Vorschlag zuzustimmen, und in der Bevölkerung wird dieser Lösungsansatz gelassen hingenommen. Er bedeutet aber Folgendes:

Frau Müller und Herr Maier, die ein Sparbuch, ein Girokonto und ein Tagesgeld bei einer Bank haben, würden sich sehr wundern, wenn dieses Institut in eine Schieflage geriete. Müsste man die Bank abwickeln oder sanieren, würden über das Wochenende die Konten eingefroren, sämtliche Auszahlungen gestoppt und von dem Sparbuch, dem Girokonto und dem Tagesgeld behielte das Kreditinstitut einfach eine gewisse Summe ein. Zypern lässt grüßen. Ob die 100.000-Euro-Marke dabei eingehalten wird, hängt vermutlich davon ab, wie viele Banken betroffen sind. In Ländern, in denen der gesamte Sektor hoch verschuldet ist, könnte es eng werden.

Das böse Wochenende

Am folgenden Tag werden Frau Müller und Maier empört sich bei den Medien beschweren. Doch wozu? Schließlich wurde es genau so in Brüssel angekündigt und von der Bundesregierung gebilligt. Gläubiger sind nämlich nicht irgendwelche exotischen Hedgefonds, milliardenschwere Investoren oder vermeintliche Spekulanten, sondern alle, die ein Sparbuch, ein Girokonto, ein Bausparkonto, ein Tages- oder Termingeld bei einer Bank haben. Die Bank verwaltet das Geld nicht, wie die meisten irrtümlich glauben, sondern verleiht es weiter. Außerdem sollte man wissen, dass die Banken nur eine Kernkapitalquote von wenigen Prozent haben. Eine Bank besteht größtenteils aus Krediten. Angesichts dieses Sachverhalts ist es erstaunlich, mit welcher Gleichgültigkeit die Entwicklung der Bankenunion zur Kenntnis genommen wird.

Die Schulden des Bankensektors

Hinzu kommt, dass langfristig alle Euroländer sich an der Sanierung des Bankensektors beteiligen sollen. Bekanntlich müssen die Banken im Jahr 2014 die Liquiditätshilfen vollständig an die Europäische Zentralbank zurückzahlen; diese wurden nämlich befristet. Allein spanische Banken schulden der Zentralbank in Frankfurt noch 225 Milliarden Euro. Italienische Kreditinstitute müssen 233 Milliarden und Frankreich 87 Milliarden Euro aufbringen. Allein Portugals Banken schulden der EZB noch 40 Milliarden Euro.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Banken dazu in der Lage sind, ist überaus unwahrscheinlich. Daher wird die EZB die Liquiditätshilfen möglichst unauffällig verlängern und sogar noch ausweiten. Der für 2014 geplante Stresstest könnte sonst unangenehme Überraschungen mit sich bringen.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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