Griechenland in der Abwärtsspirale

12-Affe-bTrotz aller Beteuerungen hält die Misere in Griechenland weiter an. Daran ändert auch die leichte wirtschaftliche Erholung kaum etwas. Stolz verkündet Athen, es gebe Ende 2013 einen Überschuss von 812 Millionen Euro. Dabei hat man aber alle Verpflichtungen, die aus der hohen Verschuldung resultieren, ausgeklammert. Das Licht, das einige am Ende des langen dunklen Tunnels zu erkennen glauben, sind die Scheinwerfer des entgegenkommenden Zuges.

Der griechische Handelsverband zeichnet nämlich ein düsteres Bild: Die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor hat das Niveau des Jahres 1997 erreicht. Der Kaufkraftschwund in der Bevölkerung macht sich im Einzelhandel besonders deutlich bemerkbar: Viele kleinere Läden mussten bereits aufgeben. Das Weihnachtsshopping in Athen dürfte ausfallen.

Experten weisen darauf hin, dass Griechenland selbst in 20 Jahren nicht wieder eine vollständige Auslastung am Arbeitsmarkt erreichen wird. Noch fataler ist der Schuldenstand: Auch bei einem Wachstum von fünf Prozent jährlich, das nur einige Schwellenländer in Asien vorweisen können, würde Griechenland selbst in Jahrzehnten nicht den offiziellen Schuldenstand von über 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 60 Prozent abbauen können, wie es in den Maastricht-Kriterien vorgesehen ist.

Das Ende der Wettbewerbsfähigkeit

Ein Schuldenschnitt im Jahr 2014 wird daher sehr wahrscheinlich sein, auch wenn die Politik immer wieder beteuert, einen solchen Erlass werde es nicht geben. Tatsächlich wird man versuchen, einen solchen Cut nach allen Regeln der Kunst durch Tilgungsstreckungen, niedrigere Zinsen und Infrastrukturhilfen zu verschleiern. Wenn Griechenland bis 2040 nicht zahlen kann, dann verlängert man eben bis 2100.

Daraus resultiert aber ein riesiges Problem: Die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Länder wird nicht verbessert. Das ist der Dreh- und Angelpunkt für den langfristigen Erfolg der Europolitik. Solange es nicht gelingt, die Mittelmeerländer weltweit wettbewerbsfähig zu machen, ist alles vergeblich. Der Niedergang ist vorprogrammiert. Langfristig wird dies auch den Euro und das Wachstum in der gesamten Eurozone in Mitleidenschaft ziehen.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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