Wie hoch die Eurostaaten verschuldet sind

17-Muenze-aKaum ein Land in der Eurozone hält die in den Maastricht-Kriterien vorgegebene Staatsverschuldung von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein. Mit einem Schuldenstand von 41 Prozent ist Lettland einer der wenigen Staaten, die noch den Anforderungen des Stabilitätspakts genügen.

Länder wie Italien, Griechenland, Belgien und Irland überschreiten inzwischen die 100-Prozent-Marke, wobei Griechenland mit über 160 Prozent das Schlusslicht in der Eurozone bildet. Im Jahr 2030 würde Griechenland, wenn man die gegenwärtige Entwicklung in die Zukunft projiziert, einen offiziellen Schuldenstand von 280 Prozent aufweisen.

Die impliziten Staatsschulden

Doch entscheidend für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation in der Eurozone ist, wie hoch die Euroländer tatsächlich verschuldet sind. Diese so genannte implizite Staatsverschuldung ergibt sich daraus, dass jedes Land auch zusätzliche Verpflichtungen hat, die sich aus der Beamtenbesoldung und dem Sozialstaat ergeben.

In Frankreich beläuft sich die tatsächliche Schuldenhöhe inzwischen auf 359 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; noch erschreckender ist die Zahl in Spanien mit 586 Prozent des BIP und in Griechenland mit 475 Prozent. Deutschland kommt auf knapp 300 Prozent.

Die Folgen der Staatsverschuldung

Langfristig führt die exorbitante Staatsverschuldung zu einer drastischen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. In vielen Ländern macht sich eine verhängnisvolle Dauerstagnation bemerkbar, die die sozialpolitischen Möglichkeiten enorm einengt. Es mangelt an richtungweisenden Zukunftsinvestitionen, und die Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Andere Regionen der Weltwirtschaft werden bessere Chancen haben, sich im 21. Jahrhundert zu behaupten.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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