Griechenland wird erneut gerettet

09-Tempel-aDie vollmundigen Beteuerungen, denen zufolge sich die Situation in Griechenland stabilisiere, sind nichts anderes als leere Hoffnungen. Geradezu gebetsmühlenartig hatte die Politik betont, Griechenland gehe es besser, das Land habe einen Haushaltsüberschuss. Doch die Realität sind ganz anders aus.

Wie aus einem Bericht des „Spiegels“ hervorgeht, plant der Bundesfinanzminister ein drittes Rettungspaket. Dieses soll über den ESM finanziert werden oder als Schuldenschnitt umgesetzt werden. Der Umfang soll zwischen 10 bis 20 Milliarden Euro betragen. Man sollte bedenken, dass Athen seit 2010 immerhin bereits 237 Milliarden erhalten hat. In dieser hohen Summe sind nicht die Gelder enthalten, die durch indirekte Maßnahmen der EZB (Liquiditätshilfen) oder durch Targetsalden (also noch nicht bezahlte Importe Griechenlands, die über das Notenbanksystem vorfinanziert wurden) bewilligt wurden.

Nicht einmal die Hälfte der Reformen umgesetzt

Betrachtet man das ganze Ausmaß der Misere, dann wird deutlich, dass der Fall Griechenland völlig hoffnungslos ist. Im Oktober 2013 lag die Arbeitslosenquote bei 27,8 Prozent. Trotz eines bereits erfolgten Schuldenschnitts von über 100 Milliarden Euro kommt das Land nicht auf die Beine. Erschwerend kommt hinzu: Griechenland hat bisher noch nicht einmal die Hälfte der versprochenen Reformmaßnahmen umgesetzt. Es ist ein Trauerspiel ohne Ende.

Unterstützung für die regierende Koalition in Athen

Besonders nachdenklich stimmt auch, dass die Bundesregierung die Zusage über ein drittes Rettungspaket noch vor den Europawahlen erteilen will. Hier wird offensichtlich Wahlkampfhilfe für die konservative Koalition in Athen geleistet, da man befürchtet, die Opposition könnte im Falle eines Sieges alle bisherigen Vereinbarungen für nichtig erklären.

Ehrlichkeit wäre angebracht

Griechenland ist sehr hoch verschuldet und hat keinerlei Chance, diesem Schuldenkreislauf zu entrinnen. Das Land wäre längst kollabiert, wenn die europäischen Länder keine Kredite genehmigt hätten. In der Eurozone hat Athen keine Aussicht, jemals wieder wettbewerbsfähig zu werden. Die Kredite, die Griechenland erhalten hat, werden nie zurückbezahlt werden.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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