Rettungsmilliarden kommen nach der Europawahl

01-Euro-dDie notwendigen Rettungsmilliarden (vor allem für Griechenland) werden erst nach der Europawahl genehmigt. Mit diesem durchschaubaren Schachzug möchte die Politik den Unmut über weitere Hilfen vermeiden. Zuvor hatte man stets vollmundig betont, Griechenland befinde sich auf dem richtigen Weg und sei nicht weiter auf die Unterstützung aus Brüssel angewiesen. Doch die Realität ist eine völlig andere.

Griechenland in der Krise

Noch immer ist das Land sehr hoch verschuldet und hat ohne einen umfassenden Schuldenschnitt keinerlei Chance, den Haushalt zu konsolidieren. Die Arbeitslosigkeit erreicht mit 28 Prozent einen Rekordwert. Die Verarmung nimmt stetig zu, und viele Strukturreformen sind bislang nicht umgesetzt.

2014 soll Griechenland weitere sechs Milliarden Euro benötigen, um die größten Löcher im Haushalt zu stopfen. Das Märchen vom Haushaltsüberschuss, das in allen Medien kolportiert wird, kommt nur dadurch zustande, dass man sämtliche Verbindlichkeiten (Zinsen und Tilgungen für Kredite) ausklammert. Das ist in etwa so, als würde ein Unternehmen sämtliche Verbindlichkeiten einfach aus seiner Bilanz löschen und dann kühn behaupten, es erwirtschafte Gewinne.

Dank dieses fiktiven Haushaltsüberschusses möchte nun die EU sogar die Kreditkonditionen erleichtern. Weitere gravierende Haushaltslücken werden schon für die Jahre 2015 und 2016 prognostiziert.

Angesichts dieser verfahrenen Situation muss man sich ernsthaft fragen: Wie wird dies alles enden? Die Krise in der Eurozone wurde zwar durch die expansive Geldpolitik der EZB in die Zukunft verschoben und damit von der Agenda verdrängt. Das Problem wird aber früher oder später mit noch größerer Intensität auf die Tagesordnung zurückkehren. Weder das Bankenproblem noch die hohe Staatsverschuldung sind gelöst.

Wenn wieder eine Krise ausbricht, wird sie das Jahr 2008 bei weitem in den Schatten stellen.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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