Wie wird die Weltwirtschaft in 20 Jahren aussehen?

02-Klippe-aDer Ausblick mag gewagt sein, wenn man bedenkt, dass Wirtschaftsforschungsinstitute noch nicht einmal die Konjunktur oder die Zinsentwicklung für das nächste halbe Jahr zuverlässig vorhersagen können. Dennoch ist es interessant, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Weltwirtschaft in 20 Jahren aussehen könnte. Ich stelle daher einige Thesen auf.

These 1: China wird zum zweitwichtigsten Finanzzentrum der Welt aufsteigen

Diese Entwicklung zeichnet sich bereits heute ab. Zwar werden die USA weiterhin den ersten Platz belegen, aber Shanghai wird zum zweitwichtigsten Finanzzentrum der Welt avancieren. London, Frankfurt und Singapur sind daneben nur unbedeutende Schauplätze.

These 2: Die Schwellenländer gewinnen erheblich an Einfluss

Das westlich geprägte internationale Finanzsystem wird zunehmend unter den Einfluss von Schwellenländern wie China, Russland, Brasilien, Indien und Mexiko geraten. Europa und Nordamerika werden deutlich an Macht verlieren. Die chinesische Währung Yuan wird frei konvertierbar sein und neben dem US-Dollar zu einer bedeutenden Reservewährung im internationalen Handel aufsteigen.

These 3: Die Eurozone ist am Ende

Aufgrund des Euros sind viele Länder in Europa nicht mehr wettbewerbsfähig. Das gilt insbesondere für Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und teilweise Frankreich. Die Spannungen lassen sich nur noch durch umfangreiche Transferzahlungen verringern, die als Kredite oder Hilfsleistungen getarnt werden. Irgendwann ist die Staatsverschuldung in fast allen Ländern so hoch, dass es zu mehreren Staatsbankrotten kommt. Daraufhin treten etliche Länder „vorübergehend“ aus der Eurozone aus. Der Euro wird sich wahrscheinlich nur mit Mühe und Not in einigen stabileren Ländern halten lassen.

These 4: Europa verarmt

In den nächsten beiden Jahrzehnten werden nur noch Wachstumsraten von unter zwei Prozent – in vielen Ländern sogar von weniger als einem Prozent – erzielt. Schuld daran sind eine ausufernde Bürokratie, die hohe Staatsverschuldung, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, fehlende Innovationen, eine ungünstige demografische Entwicklung und ein wiederkehrender Ost-West-Konflikt.

These 5: Großbritannien verlässt die EU

In Großbritannien führt ein Referendum zum Austritt. Für Brüssel wird dies ein schwerer Schock. Denn dieser Schritt wird auch den Zerfall der Eurozone einläuten, da einige Länder wegen ihrer hohen Arbeitslosenquoten wieder ihre eigene Währung einführen.

These 6: Die IT-Branche gerät in eine schwere Krise

Das lässt sich anhand des Mooreschen Gesetzes prognostizieren. Gordon Moore sagte bereits 1965 voraus, dass die Miniaturisierung bei integrierten Schaltkreisen an Grenzen stößt, wenn Transistoren zu winzig werden. Es kommt zu Tunnelströmen, und die Länge des verwendeten Lichts reicht nicht mehr aus, um die Schaltkreise weiter zu verkleinern. Deshalb müssen bahnbrechende neue Erfindungen her, um diesen Engpass zu überwinden (wie dreidimensionale Schaltkreise, Quantenrechner). Bislang zeichnet sich aber noch kein Durchbruch ab. Die Grenze dürfte 2020 erreicht werden.

Das Buch zum Blog

In meinem Buch Europa im Würgegriff können Sie Ursachen, Abläufe und Auswirkungen von Finanzkrisen nachlesen. Dabei stelle ich auch historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge der aktuellen Krise dar. Lassen Sie sich überraschen, wie lange es bereits Krisen gibt, wie oft bekannte Staaten bereits Bankrott melden mussten und was eine Schwarzwälder Familie machen würde, wenn es den Euro nicht mehr geben würde. Dies und viel mehr steht in meinem aktuellen Buch. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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