Griechenland will zurück an die Finanzmärkte

09-Tempel-aIn den europäischen Hauptstädten macht sich Optimismus breit, denn es scheint, als ob Griechenland gerettet wäre. Der griechische Premier Antonis Samaras kündigte in einem Interview an, Athen werde in spätestens drei Monaten an die Finanzmärkte zurückkehren und wieder Staatsanleihen auflegen. Griechenland habe das Schlimmste überstanden und könne wieder ein Wirtschaftswachstum vorweisen. Die Regierung plant eine Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro.

Die bittere Realität des Schuldenbergs

Doch die Realität in Griechenland ist eine andere. Das Land ist noch immer enorm verschuldet und weist offiziell einen Schuldenstand von über 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf – und dies nach einem bereits erfolgten Schuldenschnitt. Die Arbeitslosigkeit verharrt bei über 26 Prozent.

Es gibt in der gesamten Wirtschaftsgeschichte kein Beispiel dafür, dass ein Land mit einem solch gigantischen Schuldenberg jemals ohne einen drastischen Cut wieder einen soliden Haushalt erreichen konnte. Allein rechnerisch ist dies unmöglich.

Selbst wenn Griechenland bis zum Jahr 2030 die jetzige Schuldenquote halbieren wollte, müsste Athen jährlich einen Überschuss von mindestens von vier Prozent erzielen. Solche Rekordleistungen sind in manchen Schwellenländern wie China, Chile oder Indonesien durchaus realistisch. In ganz Europa kann aber kein Land eine solche Dynamik vorweisen.

Im Klartext bedeutet dies: Griechenland wird auf diese Weise niemals eine Haushaltskonsolidierung erzielen. Vielmehr wird die Europäische Union, um den zweiten Staatsbankrott (nach dem ersten Schuldenschnitt) zu verhindern, sämtliche Kredite zu immer besseren Konditionen (schließlich mit einer Nullverzinsung) unbefristet verlängern und dann abschreiben müssen. In fünfzig Jahren wird dies kaum noch jemanden stören.

Das Ende des Wohlstands

Allerdings wird das Finanzsystem durch diese „Schieflagen“ immer mehr ausgehöhlt. Kaum ein Land in der Eurozone hat sich die Mühe gemacht, Reformen gezielt umzusetzen. Die Hinhaltetaktik führt dazu, dass das Grundproblem ungelöst bleibt. Der Wohlstand in Europa hängt an einem seidenen Faden. Wenn es nicht gelingt, die Verschuldung zurückzuführen und die Wettbewerbsfähigkeit einiger Staaten deutlich zu verbessern, wird irgendwann die Krise sich wieder verschärfen.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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