Die Abwärtsspirale

17-Muenze-dIn diesem und dem nächsten Jahr wird sich die Wirtschaftskrise erneut bemerkbar machen. Die gegenwärtigen Konflikte in der Ukraine sind ein Symptom für die verheerenden Probleme in der Weltwirtschaft.

Die Eurozone auf verlorenem Posten

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Griechenland ist an die Finanzmärkte zurückgekehrt; in einigen südeuropäischen Ländern zeigen sich die ersten Ausläufer eines neuen konjunkturellen Aufschwungs. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: Spanien und Griechenland weisen eine Rekordarbeitslosigkeit auf, die für soziale Verwerfungen sorgt. In Italien ist die Industrieproduktion seit 2007 um mehr als 24 Prozent zurückgegangen – selbst nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 musste Rom keine solchen drastischen Veränderungen meistern.

Der Euro wirkt wie ein Katalysator: Er beschleunigt fatale Entwicklungen. Deutschland wird als Exportnation zunehmend gestärkt, während Südeuropa unter der starken Einheitswährung immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Griechenland, Spanien, Italien und schließlich auch Frankreich Milliardenhilfen benötigen. Ob es den Euro in fünf oder zehn Jahren noch geben wird?

Die Krise in anderen Regionen

Erschwerend kommt hinzu, dass auch andere Regionen der Weltwirtschaft seit Jahren schwächeln. Besonders drastisch wird dies in Japan sichtbar. Nach der Katastrophe von Fukushima ist das Land in einer Lethargie versunken. Die schwere Wirtschaftskrise begann bereits 1990 und hält seit über zwei Jahrzehnten an. Alle verzweifelten Versuche, die Deflation durch Kredite und Subventionen zu verhindern, sind letztlich gescheitert. Unter den entwickelten Nation ist Japan heute das mit Abstand am höchsten verschuldete Land der Welt.

Auch die Rohstoffländer haben etliche Fehler gemacht. In vielen Staaten ist es nicht gelungen, eine wettbewerbsfähige Industrie aufzubauen. Wer von Rohstoffexporten abhängig ist, verliert langfristig. Nur wenigen Ländern wie Norwegen ist es einigermaßen gelungen, diesen „Rentenstaateffekt“ zu vermeiden.

Der Konflikt in Osteuropa

Der Konflikt in Osteuropa ist nur scheinbar machtpolitisch motiviert. In Wahrheit verbergen sich dahinter erhebliche wirtschaftliche Probleme. Sowohl im Westen als auch im Osten lässt die Innovationsfähigkeit nach. Eine hohe Staatsverschuldung setzt eine verhängnisvolle Abwärtsspirale in Gang. Die Karten im Weltfinanzsystem werden neu verteilt zugunsten der Schwellenländer. Es bleibt zu hoffen, dass die Parallelen zwischen dem Jahr 1914 und dem Jahr 2014 nur zufällig sind und dass die Politik etwas aus der Geschichte gelernt hat.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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