Wie gut ist die Einlagensicherung?

13-Burg-bIn den vergangenen Tagen sorgte ein spektakulärer Bankenrun in Bulgarien für Aufregung. Immer mehr Kunden hoben ihr Geld ab, da sie einen Zusammenbruch eines Kreditinstituts befürchteten. In wenigen Stunden wurden mehr als 500 Millionen Euro abgezogen.

Unzureichende Einlagensicherung

Bemerkenswert sind aber auch die Informationen, die dabei ans Tageslicht gelangten. Die Zentralbank in Bulgarien verfügt für die Absicherung dieser Einlagen über eine Summe von 940 Millionen Euro. Es kommt aber noch besser: Deutschland hatte den Angaben des Bundesfinanzministeriums zufolge Ende 2012 lediglich 843 Millionen Euro, wie in der Presse berichtet wurde, in der gesetzlichen Einlagensicherung. Das ist weniger als Bulgarien, obwohl der deutsche Bankensektor mindestens um den Faktor 100 größer ist.

Man mag sich gar nicht vorstellen, was geschähe, wenn in Deutschland einige Banken in Schwierigkeiten gerieten. Was viele auch nicht wissen: Es gibt gar keine staatliche Einlagensicherung, bei der der Staat in einem Krisenfall einspringen würde. Vielmehr bestehen nur gesetzliche Bestimmungen, die die Banken verpflichten, eine solche Einlagensicherung zu organisieren.

Wer daher im Krisenfall auf solche Sicherheiten vertraut, sollte sich im Klaren sein, dass Einlagen gefährdet sind. Die Guthaben auf Konten und Sparbüchern werden von den Banken verliehen. Was geschieht, wenn es zu Ausfällen kommt, kann sich jeder vorstellen.

Auch die oft beschworene Schutzgrenze von 100.000 Euro ist im Krisenfall, wie früher das Beispiel Zypern verdeutlichte, nicht unantastbar. Zwar verzichtete die EU nach heftigen Protesten darauf, Kleinsparer zur Sanierung heranzuziehen, aber wie leicht solche Regelungen umgangen werden können, zeigten die Überlegungen in Brüssel. Anstelle der Aufhebung der Einlagensicherung wurde einfach eine Sondersteuer vorgeschlagen.

IWF will Umschuldungen von Staaten vereinfachen

In dieses Schema passen auch Überlegungen des Internationalen Währungsfonds, die es ermöglichen sollen, bei Anleihen auf einfachere Weise eine Umschuldung durchzusetzen. Anleger, die Anleihen halten, sollen in Zukunft zu einem Umtausch in Schuldverschreibungen mit einer längeren Laufzeit verpflichtet werden. Bislang sind dies nur programmatische Ankündigungen. Aber die Kontroverse um die Schuldenschnitte in Griechenland und Argentinien zeigt, wohin die Entwicklung geht.

Wer sich nun auf der sicheren Seite wähnt, sollte bedenken, dass Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen, Pensionsfonds und andere Formen der betrieblichen Altersversorgung überwiegend in Staatsanleihen investieren. Fast jeder hierzulande hat über diesen Umweg seine finanzielle Zukunft Staatsanleihen anvertraut.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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