Frankreich entscheidet über das Schicksal des Euro

Immer wieder wird behauptet, die Sparpolitik sei zu streng, man müsse die Vorgaben lockern, flexibler agieren und den Ländern mehr Zeit lassen. Doch die Realität ist eine andere. In den vergangenen Jahren seit 2007 ist die Staatsverschuldung trotz aller Beteuerungen kontinuierlich weiter gestiegen. Die so genannte Einsparung, über die Staaten wie Italien, Griechenland und Spanien wortreich sich beschweren, hat nie stattgefunden. Im Gegenteil: Der Schuldenberg wächst unaufhaltsam.

Die Schuldenspirale der Eurozone

Im Durchschnitt lag die Staatsschuldenquote der Länder in der Eurozone in den ersten Monaten des Jahres 2014 bei 93,9 Prozent, wie Eurostat, die Statistikbehörde der Europäischen Union, herausfand. Nach den Maastricht-Kriterien dürfen die Staaten eigentlich den Wert von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten.

Griechenland liegt trotz Milliardenhilfen, eines großen Schuldenschnitts und unzähliger Erleichterungen und weiterer Fördermaßnahmen immer noch bei offiziell 174,1 Prozent. Das angeblich so reformfreudige Italien erreicht mit 135,6 Prozent einen neuen historischen Rekordwert, und Portugal folgt mit 132,9 Prozent. Hinzu kommt, dass es sich dabei nur um die offiziell festgestellten Schuldenstände handelt, die von Eurostat angegeben werden. Die so genannten impliziten Staatsschulden (beispielsweise Pensionsverpflichtungen des Staats, sozialstaatliche Leistungen, die unzureichend finanziert sind) fließen in diese statistischen Zahlen gar nicht ein. Experten schätzen, dass sie ein Vielfaches der veröffentlichten Schulden betragen.

Was sind die Folgen?

Es wird in den kommenden Jahren kaum noch Wirtschaftswachstum in der Eurozone geben. Die hohe Schuldenlast lähmt die wirtschaftliche Entwicklung und führt letztlich zu einer weiter sinkenden Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit.

Der Konflikt um die Ukraine und andere Krisen weltweit tragen zusätzlich zur Verunsicherung bei. Inzwischen macht sich dies deutlich bemerkbar: Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum werden nach unten korrigiert.

Die Werthaltigkeit des Euro wird langfristig beeinträchtigt. Das Gefälle zwischen Deutschland und Südeuropa wird in den kommenden Jahren zunehmen. Die Währungsunion wirkt wie ein Katalysator: Wenig innovationsfähige Volkswirtschaften erleben einen erdrutschartigen Niedergang, während starke Ökonomien immer mehr wachsen. Diese Kluft ist kaum noch zu überbrücken. Ohne umfassende Transfers wird der Euro sich nicht länger als zehn Jahre halten. Die Währungsunion ist auf Sand gebaut.

Letztlich hängt das Schicksal des Euro an Frankreich: In dem Augenblick, in dem Paris nicht mehr bereit ist, den sich beschleunigenden wirtschaftlichen, sozialen und historischen Abstieg hinzunehmen, wird die Währungsunion scheitern.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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