Portugal vor einer neuen Bankenkrise?

15-Sonne-cDie Bankenkrise in Europa geht weiter. Nachdem bereits in Bulgarien das Bankensystem in Bedrängnis geraten ist, geschieht dasselbe nun in Portugal.

Die portugiesische Banco Espirito befindet sich in ernsthaften Schwierigkeiten, so dass der Börsenhandel zeitweise ausgesetzt werden musste. Nach Medienberichten werde fieberhaft an einem Rettungsplan gearbeitet. Die Krise hatte bereits Auswirkungen auf Staatsanleihen aus Portugal, deren Zinssatz auf vier Prozent in die Höhe schnellte. Das ist zwar noch nicht das hohe Niveau, das während der Eurokrise erreicht wurde, aber es zeigt, dass die Investoren bereits nach einer solchen Meldung nervös werden.

Was sind gangbare Lösungen bei einer Bankenkrise?

In den Medien wird häufig gefordert, dass zuerst Eigentümer und Gläubiger zur Rettung herangezogen werden müssten, ehe der Steuerzahler für die Sanierung des Bankensektor aufkommen müsse. Dies klingt pausibel, ist es aber bei näherem Hinsehen nicht.

Berechtigt ist sicherlich die Forderung, die Eigentümer müssten Einbußen hinnehmen. Allerdings ist auch diese Argumentation zwiespältig. Die meisten Bankaktien, vor allem solcher Kreditinstitute, die bereits angeschlagen sind, notieren ohnehin am unteren Ende auf Cent-Niveau. Der Verlust dieser nahezu wertlosen Papiere dürfte einigermaßen zu verschmerzen sein.  Vergessen wird dabei allerdings, dass viele Banken sowohl in Deutschland als auch im Ausland nicht die Rechtsform einer Aktiengesellschaft haben (dies ist eher der seltene Ausnahmefall). Häufig handelt es sich um öffentliche Kreditinstitute, für die ohnehin wieder der Steuerzahler einspringt, wie der Fall der spanischen Sparkassen belegt.

Am Ende zahlt der Sparer

Besonders amüsant ist auch die Forderung, dann müssten eben die Gläubiger ihren Beitrag leisten. Doch wer sind die Gläubiger der Banken? Die meisten Leserinnen und Leser denken dabei an obskure Hedgefonds oder an andere vermeintliche Profiteure. Doch in der Realität sind die meisten Gläubiger die Inhaber von Sparbüchern und Konten – also Frau Müller und Herr Maier sowie die mittelständischen Unternehmen und die Industrie. Warum gerade diese für die Managementfehler einer Bank haften sollen, bleibt das Geheimnis der Politik.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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