Die Krise in Italien

08-Kolo-aDie Krise in Italien geht unvermindert weiter. Die Staatsverschuldung wird Ende 2014 bei fast 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. In der Wissenschaft wird allgemein angenommen, dass bereits eine Schuldenquote von 100 Prozent den Point of no return darstellt. Ab diesem Level ist es kaum noch möglich, die Staatsschulden zu verringern. Wie eine Lawine führt der Weg dann in den Abgrund.

Die Reformen bleiben aus

Zwar wurden immer wieder umfassende Reformen versprochen, aber grundlegende Änderungen blieben aus. Seit über sechs Jahren hält der konjunkturelle Rückgang an. Seitdem Italien Mitglied der Währungsunion ist, entfällt die verlockende Möglichkeit, eine unzureichende Wettbewerbsfähigkeit über eine schnelle Abwertung der eigenen Währung auszugleichen. Nach Schätzungen müssten die Preise von Produkten und Dienstleistungen sowie die Gehälter um 30 Prozent sinken, um wieder international wettbewerbsfähig zu werden. Einen solchen Schock will dem Land niemand zumuten.

Was Italien von Japan unterscheidet

Die expansive Geldpolitik der EZB deckt diese Probleme, die auch in Griechenland, Spanien, Portugal und Frankreich vorherrschen, zu. Langfristig aber wird die entscheidende Frage sein: Wie lange kann Rom einen solchen Schuldenberg noch tragen?  In Japan liegt der Schuldenstand inzwischen bei kaum vorstellbaren 250 Prozent. Japan verfügt aber über weltbekannte Technologieunternehmen und ist in einigen Bereichen sehr wettbewerbsfähig, auch wenn China immer mehr in den Vordergrund drängt. Zudem ist Japan vor allem im Inland verschuldet und kann mit der Unterstützung der Bevölkerung und der einheimischen Banken rechnen, die auch Niedrigzinsen in Kauf nehmen.

Ganz anders verhält es sich bei Italien: Das Land kann keine High-Tech-Industrie vorweisen. Etliche Staatsanleihen befinden sich in den Händen ausländischer Investoren, die nur so lange stillhalten, wie die EZB den Euro um jeden Preis verteidigt.  Sollte eines Tages die Schuldenlast zu groß werden, könnte dies ein finanzielles Erdbeben auslösen, das auch die anderen südeuropäischen Länder in Mitleidenschaft zieht und danach die gesamte Eurozone erschüttert.

Die vermeintliche Ruhe, die im Augenblick in der Eurozone herrscht, täuscht. Wenn die Politik dieses Zeitfenster nicht nutzt, um grundlegende Reformen anzustoßen und umzusetzen, wird die Krise eines Tages in einem noch viel schlimmeren Ausmaß zurückkehren.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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