Kommt die Rezession in Deutschland?

15-Sonne-aWaren die Prognosen zu Anfang des Jahres noch relativ optimistisch, so trübt sich jetzt das Bild deutlich ein. Der Konflikt in der Ukraine, die kritische Lage im Nahen Osten und die Gefahr einer neuen Ost-West-Konfrontation beeinträchtigen das Wirtschaftswachstum.

Deutsche Industrie unter Druck

Die Industrieproduktion ging im zweiten Quartal 2014 um ein Prozent zurück. Betroffen war vor allem der Maschinenbau. Das Auftragsvolumen der Industrie sank im Juni um 3,2 Prozent. Und dies könnte erst der Anfang sein, denn der Anteil der Exporte nach Russland beträgt immerhin 3,3 Prozent. Auf den ersten Blick mag dies wenig erscheinen, aber in absoluten Zahlen sind dies mehr als 40 Milliarden Euro. Durch Handelsbeschränkungen könnten insbesondere andere Länder in der Eurozone weiter unter Druck geraten. Erste Anzeichen sind schon zu erkennen: Die Auftragseingänge aus der Eurozone sind im Monat Juni hierzulande um 10,4 Prozent gefallen.

Italien bereits in der Rezession

Zwar ist die deutsche Wirtschaft weiterhin robust, aber die Lage in der Eurozone lässt kaum Hoffnung zu. Wenn die Spannungen mit Russland zunehmen, könnte auch Deutschland in den Abwärtssog geraten. Wie fragil die Situation ist, zeigt das Beispiel Italien. Trotz vollmundig angekündigter Reformen vonseiten des neuen Premiers Renzi schlittert Rom unaufhaltsam in eine Rezession. Die Staatsverschuldung liegt mittlerweile bei über 135 Prozent; die Jugendarbeitslosigkeit verbucht mit fast 44 Prozent einen Rekordwert. Seit dem Krisenjahr 2008 reduzierte sich die Wirtschaftsleistung in Italien bis heute um neun Prozent.

Griechenland in der Deflation

Aufgrund der lang anhaltenden Krise, der hohen Arbeitslosigkeit und der ständig sinkenden Kaufkraft will auch die Binnenkonjunktur in Griechenland nicht anspringen. Die Preise sinken bereits seit 17 Monaten kontinuierlich. Auch die russischen Sanktionen setzen Griechenland zu, das Obst und Gemüse nach Russland exportiert. Kaum ein anderes Land in der EU ist so abhängig von Rohstoffen aus Russland: Mehr als 65 Prozent des Erdgases stammen von dort.

Fazit

Sollte sich der Konflikt mit Russland verschärfen, wird die Eurozone in eine Rezession rutschen. Noch sind die Sanktionen relativ verhalten; sollten aber weitere Wirtschaftszweige betroffen sein, wäre der konjunkturelle Abschwung drastisch.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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