Der Ukraine-Konflikt und die Krise in der Eurozone

15-Sonne-aDer Konflikt in der Ukraine, der bereits seit etlichen Monaten schwelt, ist im Begriff, deutlich zu eskalieren. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone. 

Bislang gab es die Hoffnung, dass der Konflikt sich mit diplomatischen Mitteln zumindest begrenzen lasse. Doch diese Hoffnung ist nun geschwunden. Vermutlich strebt Russland eine Landverbindung zur Halbinsel Krim an und hält daher die Auseinandersetzung aufrecht. Ohne einen solchen Landweg müsste die gesamte Versorgung der Krim über das Meer erfolgen. Daher ist ein Einlenken äußerst unwahrscheinlich. Eine neuer Ost-West-Konflikt würde aber das ohnehin schon geringe Wirtschaftswachstum weiter beeinträchtigen. Europa wird zu einer Zone ohne Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft.

Die Eurozone weiter auf Talfahrt

In Griechenland beispielsweise lag die Arbeitslosigkeit im Monat Mai bei 27,2 Prozent. Die in den Medien oft wiederholten Behauptungen, die Eurozone zeige eine erkennbare Erholung, entpuppt sich als reines Wunschdenken.  Kein Land kann mehrere Jahre eine solch hohe Arbeitslosigkeit und ein solchen sozialen Niedergang verkraften, ohne dass es zu deutlichen Verwerfungen und Spannungen kommt. In Spanien verharrt die Quote bei 24,5 Prozent. Auch dies ist eine erschreckende Zahl, die keinen Optimismus rechtfertigt.

Der Euro wirkt wie ein Katalysator, der alle Schwächen und Unzulänglichkeiten einer Volkswirtschaft schonungslos offenlegt. In dem Augenblick, in dem ein Land nicht mehr die Währung abwerten kann und sich so Vorteile im Außenhandel verschafft, gibt es nur eine Möglichkeit im internationalen Wettbewerb zu bestehen: Produkte und Dienstleistungen zu schaffen, die weltweit gefragt sind und zu akzeptablen Preisen verkauft werden können.

Griechenland und Spanien sind nicht gerade für eine erstklassige Pharmaforschung, eine High-Tech-Industrie und herausragende IT-Dienstleistungen bekannt. Wenn es aber diesen Volkswirtschaften nicht gelingt, sich auf den Weltmärkten zu positionieren, ist der Zerfall der Eurozone vorprogrammiert. Ein weiteres Problem ist Frankreich. Die Regierung in Paris verliert immer mehr an Unterstützung, da der Umbau der Wirtschaft und die Rückkehr zum Wachstumspfad nicht gelingt. Nach Neuwahlen könnte sehr schnell eine neue Regierung das Ende der Eurozone besiegeln.

Wie könnte man die Krise lösen?

Die Länder der Eurozone müssten erheblich mehr Anstrengungen unternehmen, um wettbewerbsfähig zu werden. Es gibt Länder wie Singapur, die systematisch neue Wirtschaftszweige fördern. Dort beginnt die Vorbereitung auf die Zukunft bereits in der Schule. Ganze Stadtteile erhalten eine Infrastruktur, die der Förderung von Zukunftstechnologien dient.

Wo sind die griechischen, spanischen und italienischen Unternehmen, die zu den besten der Biotechnologiebranche und der IT-Wirtschaft zählen? Wo sind die portugiesischen und zyprischen Unternehmen im Bereich der Nanotechnologie und der Robotik?

Geld nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, wie es oft von Frankreich und anderen Ländern gefordert wird, bringt niemanden wirklich weiter. Diese versickern in wenig produktiven Investitionen. Was Europa braucht, sind mutige und innovationsfähige Unternehmen, die sich dem Wettbewerb auf den internationalen Märkten stellen. Dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden: eine bessere und umfassende Qualifizierung, eine hervorragende Infrastruktur und mehr Anreize für Unternehmen im Hochtechnologiesektor.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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