Die Intervention der Europäischen Zentralbank

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Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die am Donnerstag verkündet wurde, hat viele Beobachter überrascht. Nur wenige hatten damit gerechnet, dass so umfassende Maßnahmen beschlossen würden.

Noch nie in der gesamten Wirtschaftsgeschichte gab es einen Leitzins von 0,05 Prozent. Was bedeutet dies? 

Die Krise hält an

Eine solche Verzweiflungsaktion ist nur durch eine Deflation zu erklären, die die Eurozone fest im Griff hat. In vielen (südeuropäischen) Ländern ist die Nachfrage aufgrund der Krise und der hohen Arbeitslosigkeit so gering, dass die Preise kaum noch steigen. In Ländern wie Spanien und Griechenland, in denen diese Situation bereits seit Jahren andauert, haben die Verbraucher kaum noch Geld, um sich größere Anschaffungen leisten zu können.

Was werden die Folgen sein?

Die historisch niedrigen Zinsen werden die Wirtschaft in Deutschland auf neue Rekordhöhen treiben, während in Südeuropa der Niedergang aufgrund der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit beschleunigt wird. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird sich in Europa vergrößern. Der Euro wird gegenüber dem US-Dollar nachgeben, was letztlich zu steigenden Rohstoffpreisen führt.

Langfristig wird es schwierig sein, aus dieser Niedrigzinspolitik wieder auszusteigen. Schon der geringste Versuch, die Zinsen anzuheben, könnte eine unvorstellbare Panik an den Märkten auslösen. Aber dieses Szenario liegt ohnehin in weiter Ferne.

Zunächst müssen wir mit einem Jahrzehnt von Niedrigzinsen rechnen. Für die Verbraucher bedeutet das: Die Altersvorsorge gelingt auf herkömmlichem Wege nicht mehr. Inzwischen wird für zehnjährige deutsche Staatsanleihen weniger als ein Prozent Zinsen geboten. Die Altersarmut wird dramatisch zunehmen, da die wenigsten die im Rahmen der Agenda 2010 beschlossenen Rentenkürzungen durch eine private Altersvorsorge ausgleichen können.

Die hohen Wachstumsraten, die in den Dekaden nach 1945 erzielt wurden und zum zügigen Ausbau des Sozialstaates und des Wohlstands führten, sind vorbei. Die meisten Volkswirtschaften der entwickelten Länder dürfen sich schon glücklich schätzen, wenn  sie überhaupt einen geringfügigen Zuwachs vorweisen können.

Die Eurozone steht ohnehin auf der Kippe. In Großbritannien wird eine Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union votieren; und in Frankreich verliert die Regierung in Paris immer mehr an Rückhalt in der Bevölkerung. Fällt Frankreich, dann fällt auch der Euro.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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