Der Schuldenberg wächst

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Obwohl es still um die Staatsschuldenkrise geworden ist, trügt der Schein. Der Schuldenberg wächst immer mehr, und langfristig ist die nächste schwere Wirtschaftskrise vorprogrammiert.

Italien und Frankreich vor dem Abstieg

Frankreichs Volkswirtschaft befindet sich in einem desolaten Zustand. Trotz aller Ankündigungen und Reformbemühungen wächst das Haushaltsdefizit, und die Arbeitslosenquote verharrt auf hohem Niveau. Die nächsten Wahlen dürften sich zu einem kaum vorstellbaren Desaster entwickeln, das ganz Europa erschüttert. Frankreichs einst florierende Automobilindustrie ist heute nur noch der traurige Abglanz früherer Zeiten. Ähnlich trist ist die Lage in Italien. Die Auslandsschulden sind dort von 450 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf heute über 740 Milliarden gestiegen. In zwei Jahren, so schätzt man, wird Italien mit über 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet sein.

Ebenso bedenklich ist die Entwicklung in den USA. Der Berg der Auslandsschulden summiert sich inzwischen auf 5,7 Billionen US-Dollar.

Die verzweifelten Rettungsversuche

Die Absenkung der Leitzinsen auf 0,05 Prozent durch die Europäische Zentralbank stellt eine verzweifelte Rettungsmaßnahme dar. Mittlerweile muss die Notenbank sogar ihre Käufe auf Pfandbriefe und die umstrittenen Verbriefungen (Asset Backed Securities) ausdehnen. Langfristig werden die einzelnen Eurostaaten für die Ausfälle aufkommen müssen. Es ist schon jetzt absehbar, dass die Rettungsmilliarden, die Griechenland zur Verfügung gestellt wurden, nie zurückgezahlt werden.

Europa wird zu einer No-Go-Area für ausländische Investoren: Kein Wirtschaftswachstum und eine mangelnde Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit machen die gesamte Region unattraktiv.

Chinas Aufstieg

Die hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern wird die Machtstrukturen in der Weltwirtschaft grundlegend verändern. Zwar wird der US-Dollar noch längere Zeit als Leitwährung fungieren; aber eine neue entscheidende Rolle wird der chinesische Yuan einnehmen. Schon jetzt bereitet Peking die Konvertibilität der Währung durch zahlreiche bilaterale Verträge mit verschiedenen Staaten vor. Es ist absehbar, dass in ein oder zwei Jahren der Yuan völlig freigegeben wird. Dadurch wird die chinesische Währung noch vor dem Euro zur zweitwichtigsten Reservewährung der Welt aufsteigen.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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