Die Rezession kommt – das Ende des Optimismus

 

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Die Rezession steht vor der Tür. Die Anzeichen der Krise sind deutlich zu sehen: So sank beispielsweise die Zahl der Auftragseingänge in der deutschen Industrie im August 2014 um drastische vier Prozent – ein Wert, der nur im Januar des Krisenjahres 2009 übertroffen wurde. Deutschland verliert die Rolle als Konjunkturlokomotive der Eurozone. Im Herbstgutachten prognostizierten die führenden Wirtschaftsexperten nur noch ein Wachstum von 1,3 Prozent in diesem Jahr; zuvor lag der Wert noch bei 1,9 Prozent. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die konjunkturelle Lage in den kommenden Monaten noch erheblich eintrüben wird.

Mangelnde Reformbereitschaft

In Deutschland sinkt nicht nur die Binnennachfrage nach industriellen Gütern, sondern auch im Ausland ist man zurückhaltender. Es mutet wie eine Satire an, dass einige den konjunkturellen Rückgang auf die Sommerferien zurückführen. Die eigentlichen Ursachen sind andere: Es gibt – wie die Wirtschaftsgeschichte eindeutig belegt – nach sieben Jahren regelmäßig eine mehr oder minder schwere Rezession. Nach den Katastrophenjahren 2007 und 2008 zeichnete sich zunächst eine merkliche Erholung ab, die aber vorwiegend auf stärkere und wettbewerbsfähige Länder wie Deutschland beschränkt blieb.  Nun ist diese Schönwetterperiode vorbei, und eine erneute Rezession stellt die Reformbemühungen der Staaten auf einen Prüfstand.

In den vergangenen Jahren hat sich Deutschland vor allem auf den Lorbeeren ausgeruht und die Reformimpulse zurückgedrängt. Die großen Exporterfolge sind vor allem auf den Euro zurückzuführen: Länder wie Italien und Frankreich, die früher durch eine Währungsabwertung schnell Vorteile erlangen konnten, müssen nun durch echte Innovationen überzeugen. Der Euro wirkt in diesem Fall wie ein Katalysator: Er stärkt Volkswirtschaften, die international bereits sehr gut aufgestellt sind.

Mehr Innovation ist notwendig

Das bedeutet aber nicht, dass Deutschland die Dinge einfach laufen lassen kann. Die Reformbemühungen sind bereits völlig zum Erliegen gekommen. Das Straßen- und Schienennetz ist marode und die Finanzierung ungesichert. Es fehlt immer noch an einem zügigen Ausbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes für das Internet, und im Bereich der IT-Branche mangelt es an international wettbewerbsfähigen Unternehmen. Das Bildungssystem ist immer noch chronisch unterfinanziert und verhindert den sozialen Aufstieg; besonders erschreckende Defizite gibt es im vorschulischen Bereich. In anderen Ländern ist man in dieser Hinsicht sehr viel weiter. Auch die Bürokratie lähmt die Wettbewerbsfähigkeit. Während man in manchen Ländern innerhalb von wenigen Stunden ein Unternehmen gründen kann, ist dies hierzulande undenkbar. Es fehlt an neuen Ideen und an der Bereitschaft, mehr Flexibilität zu zeigen.

Das Jahr 2015 wird zu einer ernsthaften Herausforderung werden. Die expansive Geldpolitik der EZB ist nur ein Aufschub und überdeckt die Unzulänglichkeiten in der Wirtschaftspolitik. Was entscheidend ist, sind Reformen, die Zukunftsfähigkeit der gesamten Eurozone sichern.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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