Europa in der Krise

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Europa schlittert immer tiefer in eine unausweichliche Krise, und die Aussichten für die kommenden Jahre sind schlecht. Deutschland wird 2015 nur ein Wachstum von 1,2 Prozent erzielen, was aber vermutlich eine noch viel zu optimistische Vorhersage ist.

Eine Vielzahl von erheblichen Belastungsfaktoren kommt hinzu.

 Die italienische Krise

Trotz aller Reformen befindet sich Italien weiterhin auf Rezessionskurs. Die OECD prognostiziert für das Jahr 2014 einen Rückgang von 0,4 Prozent. Eine Staatsverschuldung in Höhe von 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dürfte spätestens bis 2016 erreicht werden. Ernstzunehmende Wirtschaftsexperten halten bereits eine Verschuldung von 100 Prozent für einen Point of no return. Bereits bei einer solchen Belastung hat eine Land kaum keine realistische Chance, jemals die Staatsschulden zurückzuführen.

Wackelkandidat Frankreich

Ohne Frankreich ist das Ende des Euro besiegelt.  Bereits jetzt zeichnet sich aber eindeutig ab, dass die Regierung in Paris bei einer Neuwahl nicht die geringste Chance auf einen Erfolg hat. Bei einem Regierungswechsel würde jedoch die Bereitschaft sinken, Sparmaßnahmen umzusetzen und den Haushalt zu konsolidieren. Im schlimmsten Fall, sollten populistische Positionen an Zulauf gewinnen, würde Frankreich möglicherweise sogar aus der Eurozone austreten.

Großbritanniens Hang zur Isolation

In Großbritannien wird das schon angekündigte Referendum über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union für weitere Unsicherheit sorgen. Die Zahl der Europagegner im Vereinigten Königreich wächst von Tag zu Tag. Ein Austritt Großbritanniens würde die gesamte EU weiter schwächen.

Griechenland und die Staatsschulden

Auch in Griechenland wird ein Umschwung kommen. Schon jetzt kann die Partei Syriza bei den nächsten Wahlen aller Voraussicht nach mit einer Mehrheit rechnen. Programmatisch lässt man bereits verlauten, dass man nicht bereit sei, den Verpflichtungen weiterhin im vollen Umfang nachzukommen.

Fazit

Die Eurozone befindet sich in einer desolaten Situation. Auch die geopolitischen Risiken in der Ukraine und im Nahen Osten sorgen dafür, dass sich die Probleme deutlich verschärfen. Zu einem dramatischen Wendepunkt könnte es nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU und Neuwahlen in Frankreich und in Griechenland kommen.

Das Buch zum Blog

In meinem Buch Europa im Würgegriff können Sie Ursachen, Abläufe und Auswirkungen von Finanzkrisen nachlesen. Dabei stelle ich auch historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge der aktuellen Krise dar. Lassen Sie sich überraschen, wie lange es bereits Krisen gibt, wie oft bekannte Staaten bereits Bankrott melden mussten und was eine Schwarzwälder Familie machen würde, wenn es den Euro nicht mehr geben würde. Dies und viel mehr steht in meinem aktuellen Buch. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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Ein Gedanke zu „Europa in der Krise

  1. Neukredite nur zur Zinsbedienung

    „Das Folgenschwerste bei diesen ganzen Staatsverschuldungen ist jedoch der Tatbestand, dass in den gesamten 40 Jahren die fälligen Zinszahlungen fast ausschließlich mit Neukreditaufnahmen finanziert worden sind. Die Schuldenausweitungen, die sich zwischen 1970 und 2005 auf rund 1.500 Mrd. Euro beliefen, waren praktisch identisch mit den Zinszahlungen in der gleichen Zeit. Das heißt: Diese Schuldenzunahmen haben weder dem Staat noch der großen Bürgermehrheit genutzt, sondern einzig und allein jener Minderheit der Kreditgeber, die dem Staat das Geld geliehen haben. Auf Kosten aller anderen wurden diese Geldverleiher also genau um jene 1.500 Milliarden Euro reicher, die der Staat in den gleichen Jahren an Krediten aufgenommen hat!“

    Helmut Creutz, 2012

    Was schon 12-jährige Schulkinder verstehen, bleibt für Politiker bis zum bevorstehenden, endgültigen Zusammenbruch der Weltwirtschaft (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes) unverständlich. Sie wollen es nicht verstehen, um sich nicht der ganzen Sinnlosigkeit ihrer Existenz bewusst zu werden, denn die Befreiung der Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus macht die „hohe Politik“ überflüssig:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2014/10/eigennutz-und-gemeinnutz.html

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