Die Schweiz: Ist die Golddeckung sinnvoll?

13-Burg-bFür Aufsehen sorgen in jüngster Zeit verschiedene Referenden. Schon die Ankündigung brachte einigen Wirbel mit sich: International wurde befürchtet, die Schweizer Bevölkerung könnte sich in einer Volksabstimmung für eine stärkere Golddeckung des Frankens entscheiden. Der Goldpreis stieg teilweise und fiel dann wieder, als Meinungsumfragen keine Mehrheit für einen solchen Vorschlag signalisierten.

Der Schweizer Franken als Anhängsel des Euro

Bevor man die Frage beantwortet, ob eine bessere Golddeckung sinnvoll ist, sollte man sich zuerst die Situation des Schweizer Frankens vergegenwärtigen. Wegen der weltweit hohen Staatsverschuldung und der Krise von 2007 und 2008 versuchten viele Investoren und Unternehmen, ihr Vermögen in Schweizer Franken umzuschichten. Der Franken gilt als ein Hort der Stabilität und Sicherheit. Nur wenige Währungen können damit konkurrieren. Allenfalls die Norwegische Krone und der Singapur-Dollar genießen einen ähnlichen Status. Beide Länder sind aber viel zu klein, um als Devisenreserve zu dienen. Der Ansturm der Investoren beschwerte nämlich auch diesen beiden Währungen erhebliche Turbulenzen.

Aber auch der Schweiz erging es ähnlich: Sie musste vor den Finanzmärkten kapitulieren und beschloss vor über zwei Jahren eine relative starke Anbindung an den Euro. Der Schweizer Franken durfte von nun an nur noch in einem engen Korridor um den wenig geliebten Euro schwanken. Sonst hätte der unaufhaltsame Höhenflug der Schweizer Währung der Exportindustrie den Garaus gemacht.

Inzwischen musste die sonst auf Stabilität bedachte Notenbank so viele Euros aufkaufen, dass die Eidgenossenschaft mit dieser Währung förmlich geflutet wurde. Der Schweizer Franken ist inzwischen längst eine vom Euro abhängige Währung.

Ist eine erhöhte Golddeckung sinnvoll?

Eine höhere Golddeckung würde bewirken, dass die Schweizer Notenbank vermehrt Goldkäufe tätigen müsste und der Ankauf des Euro erheblich verringert würde. Der Schweizer Franken würde sofort sprunghaft in die Höhe schnellen. Die Folgen: Die Schweizer Exportwirtschaft würde dramatische Einbußen erleiden.  In der Schweiz käme es zu einem deflationären Schock und anschließend zu einer Rezession.

Die Nachteile der Golddeckung

Die Golddeckung mag zwar ein probates Mittel sein, um die ausufernde Staatsverschuldung in etlichen Ländern wirksam einzudämmen, aber mittlerweile leben so viele Staaten weit über ihren Verhältnissen, dass eine Golddeckung einer Rosskur gleicht, die den Patienten das schnelle Ende bereitet. Sinnvoller wäre es, wenn die Staaten eine vernünftige Haushaltsdisziplin zeigten und die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften in den Vordergrund stellten. Aber die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass dies nur ein frommer Wunsch ist.

Am Ende steht für viele Länder mit ihren immensen Schuldenbergen der Staatsbankrott oder ein außenpolitisches Abenteuer, das von diesem Zustand ablenken soll. Die Schweiz wird wahrscheinlich zu den wenigen glücklichen Ländern zählen, die einigermaßen glimpflich aus dieser Krise hervorgehen – mit oder ohne Golddeckung.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.