Wird es den Euro in zehn Jahren noch geben?

17-Muenze-aZugegeben: Die Frage ist schwer zu beantworten, und viele Prognosen haben sich im Nachhinein als falsch herausgestellt.

Doch wir können an dieser Stelle einmal alle wichtigen Argumenten anführen, die für oder gegen ein Weiterbestehen des Euro sprechen.

Weshalb der Euro eine Zukunft hat

Für die Zukunft des Euro lassen sich eine ganze Reihe von Gründen nennen. Vor allem ist es die große Bereitschaft, der Politik und der Regierungen in der Eurozone die Gemeinschaftswährung beizubehalten. Es wurden schon  zu viele Milliarden in dieses Projekt investiert.

Würde der Euro aufgegeben, dann wären riesige Summen verloren. Eine Rückabwicklung würde außerdem zu einer schweren und unberechenbaren Krise führen, und auch der Umtauschkurs in die nationalen Währungen würde zahlreiche Kontroversen auslösen. Zwar hat es der Euro niemals geschafft, zu einer Weltleitwährung aufzusteigen, aber zumindest ein Viertel aller Währungsreserven wird global in Euro gehalten. Insofern wird es den Euro zumindest noch längere Zeit geben.

Warum der Euro scheitern wird

Für ein Scheitern lassen sich leicht viele Argumente finden:

  • Jede Währungsunion (beispielsweise die skandinavische Währungsunion) ist in der europäischen Geschichte bislang gescheitert.
  • Die Volkswirtschaften in der Eurozone sind viel zu unterschiedlich. Mit dem Wegfall der Möglichkeit einer Abwertung unterliegen die Ökonomien einem verschärften Wettbewerbsdruck.
  • Die wichtigen Maastricht-Kriterien werden von einer Mehrzahl der Staaten in der Eurozone nicht eingehalten.
  • Die Staatsverschuldung nimmt weiterhin kontinuierlich in den meisten Ländern zu (Griechenland: 175 Prozent des BIP, Italien: 140 Prozent des BIP).
  • Reformen wurden gar nicht oder nur halbherzig umgesetzt.
  • Eine Reihe von Ländern ist international nicht wettbewerbsfähig.
  • Griechenland ist finanziell am Ende. Das Land benötigt mehrere Schuldenschnitte, und selbst danach ist Athen dauerhaft auf Transfers angewiesen. Offiziell hat das Land bisher 234 Milliarden Euro an Hilfen erhalten.
  • Der kategorisch ausgeschlossene Bail-out, die Übernahme fremder Staatsschulden, findet bereits in großem Ausmaß statt.
  • Die bewilligten Kredite werden niemals zurückgezahlt werden.
  • Die Europäische Zentralbank kauft Staatsanleihen auf, die teilweise ein bedenkliches Bonitätsrating haben. Jeden Monat sollen für das so genannte Quantative Easing 60 Milliarden Euro aufgewendet werden.

Fazit

Fasst man alle Argumente zusammen, könnte man zu folgendem Schluss gelangen: Den Euro wird es in zehn Jahren vermutlich noch geben. Fraglich ist aber, wie es um dessen Wert bestellt sein wird. Noch mehr Länder in der Eurozone werden aufgrund ihrer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit an den Rand der Staatsinsolvenz geraten, die nur durch großzügige Transfers verhindert werden kann.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.