Griechenland wird Hilfen bekommen

09-Tempel-aAuch wenn in den vergangenen Tagen der Eindruck entstand, Griechenland könnte fallen gelassen werden: Athen wird weitere Hilfen erhalten.

Bislang wurde in allen vergleichbaren Situationen ein Kompromiss ausgehandelt. Daher sind die Befürchtungen, Griechenland könnte am Rosenmontag vor dem Ruin stehen, gegenstandslos.

Der Bankensektor in der Krise

Viele Griechen befürchten inzwischen das Schlimmste; täglich werden bis zu 500 Millionen Euro von den Konten abgehoben. An verschiedenen Tagen soll sogar mehr als eine Milliarde Euro abgezogen worden sein. Der Bankensektor kann einen solchen Aderlass nicht verkraften. Ohne die umfassenden Liquiditätshilfen (ELA) der griechischen Notenbank in Höhe von 65 Milliarden Euro wäre das Bankensystem längst kollabiert. Ohne diese Notfallunterstützung hätte ein Bank Run längst stattgefunden.

Das Sozialprogramm des Finanzministers

Die Zeit drängt, denn wenn nicht bis Ende Februar eine Lösung gefunden wird, wäre Griechenland im März insolvent.  Um so erstaunlicher sind die Vorschläge des griechischen Finanzministers Varoufakis. Seinem Vier-Punkte-Plan zufolge soll es ein EU-weites Sozialprogramm geben, das von den nationalen Notenbanken finanziert wird. Darüber hinaus soll die Europäische Zentralbank teilweise die Schulden der einzelnen Euroländer übernehmen.

Ein solcher Lösungsvorschlag ist natürlich nicht umsetzbar. Allein die Vorstellung, es könnte ein gigantisches Sozialprogramm geben, das von Finnland bis Bulgarien reicht und von den jeweiligen Notenbanken auf Kredit finanziert wird, ist realitätsfern.  Auch die Idee, die EZB sollte die Staatsschulden der einzelnen Euroländer übernehmen, würde nicht nur gegen das Verbot der verdeckten Staatsfinanzierung verstoßen, sondern auch die gesamte Eurozone und den Euro weiter destabilisieren.

Die Finanzminister in Brüssel werden dennoch eine Lösung finden und weitere Hilfen für Griechenland genehmigen. Man wird viele diplomatische Floskeln bemühen, um zu kaschieren, dass Athen auch ohne engere Kooperation und ohne weitere Reformanstrengungen Milliarden erhält. Die Botschaft lautet: Griechenland wird nicht fallen gelassen, da man den Euro um jeden Preis beibehalten möchte. Das ist keine ökonomische, sondern eine politische Entscheidung.

Der Präzedenzfall

Damit hat man aber auch die Schleusen weit geöffnet: Wenn Griechenland ohne erkennbare Zugeständnisse großzügige Hilfe aus Brüssel erhält, werden andere Länder diese offensichtliche Ungleichbehandlung nicht hinnehmen. Spätestens wenn in Spanien die Protestbewegung „Podemos“ an politischem Einfluss gewinnt, werden auch andere Staaten in der Eurozone wie Spanien, Italien, Portugal und Frankreich eine noch deutlichere Lockerung der Konditionen verlangen.

Wenn der Euro jemals untergeht, dann wird dies nicht durch ein Nein aus Brüssel herbeigeführt, sondern durch eine jahrelange schleichende Aushöhlung der Vertragsstrukturen und der Vernachlässigung der Reformbemühungen. Eine Währungskrise wird dann völlig unvermittelt und ohne deutliche Vorboten eintreten.

Das Buch zum Blog

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Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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