Staatspleite nächste Woche?

15-Sonne-aDie Lage in Griechenland spitzt sich zu. Am 9. April 2015 muss Athen eigentlich eine Rate in Höhe von 460 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds überweisen. IWF-Präsidentin Christine Lagarde steht unter Druck, denn die großzügigen Hilfen für Griechenland sind in dem von Europäern dominierten Währungsfonds sehr umstritten. Insbesondere die Schwellenländer äußern Kritik.

Zahlt Athen?

Der griechische Finanzminister Varoufakis trifft sich kurzfristig mit Lagarde, um eine Lösung zu finden. Ein Kompromiss gilt allerdings als schwierig, da es bislang noch nie vorgekommen ist, dass ein Land, das einen Kredit beim IWF erhielt, die Zahlung verweigerte. Griechenland könnte im Prinzip die Rate begleichen, wenn es die Auszahlung von Gehältern im öffentlichen Dienst zurückhielte.

Das Ganze ist ein schwer zu lösendes Dilemma: Behandelt Griechenland den IWF vorrangig, verliert Alexis Tsipras den Rückhalt bei den Wählerinnen und Wählern. Wird hingegen der IWF hingehalten, könnte dies bei den Schwellenländern zu erheblichem Unmut führen und eine Umstrukturierung der Organisation nach sich ziehen.  Eine Zahlungsverweigerung würde international ohnehin mit einer Staatsinsolvenz Griechenlands gleichgesetzt.

Der Wink mit dem Zaunpfahl

Besonders ungeschickt war die neue Regierung in Athen in der Außenpolitik. Die unverhohlene Ankündigung, sich Moskau anzunähern und dort um Hilfe (oder zumindest um eine Lockerung der Sanktionen) zu bitten, hat in Berlin und Brüssel für Verstimmung gesorgt.

Besser wäre es gewesen, die Rahmenbedingungen sachlich und strategisch zu bewerten. Die Regierung in Athen hätte wissen müssen, dass Brüssel Griechenland gar nicht fallen lassen kann. Das Land hat für den Erhalt der Eurozone symbolische Bedeutung. Hinzu kommen noch wichtigere geostrategische Interessen an der Flanke Südeuropas, die kaum wegen ein paar Milliarden auf das Spiel gesetzt werden.

Beide Seiten haben sich rhetorisch verausgabt. Deutschlands nimmermüde Ermahnungsrhetorik und der oberlehrerhaft erhobene Zeigefinger waren ebenso überflüssig wie Griechenlands ungeschickter Wink mit dem Zaunpfahl und das Schüren von Ressentiments. Auf diese inszenierte Tragikomödie hätten wir alle verzichten können. Am Ende wird Brüssel nämlich zahlen.

Das Buch zum Blog

In meinem Buch Europa im Würgegriff können Sie Ursachen, Abläufe und Auswirkungen von Finanzkrisen nachlesen. Dabei stelle ich auch historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge der aktuellen Krise dar. Lassen Sie sich überraschen, wie lange es bereits Krisen gibt, wie oft bekannte Staaten bereits Bankrott melden mussten und was eine Schwarzwälder Familie machen würde, wenn es den Euro nicht mehr geben würde. Dies und viel mehr steht in meinem aktuellen Buch. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

Pilz-Europa-9783867644228_sachbuch

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.