Die Krise der Eurozone

17-Muenze-aDie Krise in der Eurozone wird sich in den kommenden Monaten erheblich zuspitzen; denn viele Probleme sind immer noch ungelöst.

Die Krisensymptome machen sich deutlich bemerkbar. Neben Griechenland gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die zum allmählichen Niedergang der Eurozone beitragen.

Die Misere in Griechenland: Athen am Abgrund

Trotz aller Verhandlungen zeichnet sich keine Lösung ab. Besonders fragwürdig ist, dass der Internationale Währungsfonds Griechenland für die Rückzahlung der Kreditraten eine Verlängerung bewilligt hat. Die so genannte „Sambia-Option“, die dem afrikanischen Staat zugebilligt wurde, ist in der Geschichte der Organisation erst einmal angewandt worden.

Zahlt Griechenland Ende Juni, dann hat sich die Verlängerung bewährt. Sollten aber die Verhandlungen weiterhin stocken und Athen keine neuen Milliarden erhalten, dürfte auch der IWF brüskiert sein. Die europäische Fraktion innerhalb des IWF würde eine ziemlich deutliche Kritik von den anderen Mitgliedsstaaten erhalten, und die Schwellenländer würden ein stärkeres politisches Gewicht einfordern.

Es ist aber höchstwahrscheinlich, dass Griechenland weitere Hilfsgelder erhält. Ohne die Unterstützung aus Brüssel würde das Land in einem Desaster versinken. Ein Euro-Austritt ist keine realistische Lösung; auch nach einer beispiellosen Abwertung der Drachme würde Griechenland aufgrund der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit langfristig keine Vorteile erlangen. Die drakonische Abwertung würde nur das soziale Elend verschärfen und ein konjunkturelles Strohfeuer entfachen, das nur wenige Monate anhielte.

Man kann die gravierenden strukturellen Probleme eines Landes nicht durch Währungsspielchen beheben. In den vorherigen Jahrzehnten haben dies etliche Entwicklungsländer versucht – ohne jeglichen Erfolg.

Scheitert die Eurozone?

Diese Frage wird immer vordringlicher. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Zinsen trotz aller Notenbankinterventionen langfristig ansteigen. Die Staatsverschuldung in Italien befindet sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Frankreich leidet noch immer unter einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit. Jeder Zinsanstieg erhöht die Staatsschulden. Es ist wie ein steigender Wasserpegel – und einigen Ländern in der Eurozone steht das Wasser bereits bis zum „Hals“.

Besonders drastisch wirkt sich das erlahmende Wirtschaftswachstum aus. Dem IWF zufolge wuchs die Wirtschaft in Deutschland von 1980 bis 1995 jährlich im Durchschnitt um 4,9 Prozent. Im Zeitraum von 1995 bis 2014 lagen die Wachstumsraten nur noch bei durchschnittlich 0,9 Prozent. Dieser verhängnisvolle Trend ist auch auf der Ebene der Weltwirtschaft zu beobachten.

Bei einer so geringen Wachstumsdynamik lässt sich in einer alternden Gesellschaft nicht mehr das soziale Absicherungsniveau aufrechterhalten. Deutschland mag innerhalb der EU noch relativ gut gestellt sein, aber auch hierzulande wird die schleichende Krise in der Eurozone sich bemerkbar machen.

Wenn es keine grundlegenden Reformen gibt, die die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken, wird die Eurozone scheitern.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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