Das Reformprogramm wird scheitern

15-Sonne-aDas Parlament in Athen hat das Reformprogramm umgesetzt. Doch wird es erfolgreich sein? Es gibt erhebliche Zweifel; denn bislang sind alle Reformmaßnahmen gescheitert.

Im Gegenteil: Das jetzige Sparprogramm könnte zu einer noch schlimmeren Krise führen, die die gesamte Eurozone erfasst.

Griechenland vor der wirtschaftlichen Depression

Das Reformprogramm wird Griechenland in eine Katastrophe stürzen. Die drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer und das labile Bankensystem werden eine schwere wirtschaftliche Depression auslösen. Die griechische Volkswirtschaft befindet sich schon jetzt im freien Fall. Die sozialen Spannungen und die Verarmung der Bevölkerung werden noch schneller zunehmen. Die Sparpolitik ist endgültig gescheitert. Griechenland wird auf Dauer von Hilfen aus Brüssel abhängig werden.

In der Vergangenheit sind viele Fehler gemacht worden. So hätte Griechenland nie in die Eurozone aufgenommen werden dürfen. Doch es ist wenig sinnvoll, darüber nachzudenken, was man in der Vergangenheit hätte besser machen können.

Die Krise Griechenlands wird sich in absehbarer Zeit auf die Eurozone ausdehnen. Italiens enorme Staatsverschuldung, Spaniens mangelnde Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit und Frankreichs unzulängliche Wettbewerbsfähigkeit stellen große Risikofaktoren dar.

Sollte Deutschland die Eurozone verlassen?

Das grundsätzliche Problem bleibt bei allen Überlegungen zur Reformpolitik ungelöst: die gemeinsame Währungsunion. Die Unterschiede zwischen den Staaten in der Eurozone sind zu groß. Nur durch eine umfassende Transferunion könnte das Ungleichgewicht beseitigt werden. Eine funktionierende Währungsunion erfordert eine stärkere Integration, die auch die Fiskal- und Wirtschaftspolitik mit einbezieht.  Doch die Bereitschaft hierzu ist bei fast allen Staaten gering ausgeprägt.

Deshalb schlagen einige US-Ökonomen vor, Deutschland solle die Eurozone verlassen. Mit einem solchen Schritt wäre tatsächlich das Grundproblem einigermaßen gelöst. Der Euro würde deutlich an Wert verlieren und die Mittelmeerländer könnten wieder wettbewerbsfähig werden, wenngleich langfristig nur strukturelle Reformen helfen können.

Die deutsche Wirtschaft würde die drastische Aufwertung der neuen D-Mark verkraften – wenn auch mit einigen Einbußen. Der positive Effekt wäre: Die Kaufkraft im Inland würde beträchtlich steigen und den Binnenkonsum stärken.

Wirtschaftspolitisch würde ein solcher Ausstieg Sinn machen. Europapolitisch wäre allerdings der Austritt Deutschlands aus der Eurozone ein Jahrhundertdesaster mit enormer Signalwirkung. Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass es keine einfache Lösung für die Krise in der Eurozone gibt.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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