Die Zukunft der Eurozone

01-Euro-dGriechenland wird ein drittes Rettungspaket erhalten. Doch schon jetzt ist klar, dass die Milliardensummen, die das Land bekommen hat, endgültig verloren sind. Daran ändern auch umfassende Umschuldungen nichts, bei denen der Zins auf ein Minimum abgesenkt wird und die Tilgung über Jahrzehnte erfolgt. Wie sieht die Zukunft der Eurozone aus?

Das Problem der Wettbewerbsfähigkeit

Die Eurozone hat langfristig nur dann eine realistische Chance, wenn es gelingt, die Wettbewerbsfähigkeit in allen Mitgliedsstaaten erheblich zu verbessern. Das vorgelegte Reformprogramm der Athener Regierung ist in jeder Hinsicht äußerst problematisch.

Die griechischen Reformen setzen vor allem auf eine Kürzung der Sozialausgaben und auf eine deutliche Erhöhung der Steuern. Insbesondere die Mehrwertsteuer führt zu beträchtlichen Belastungen der Bevölkerung, die seit Jahren unter der Rezession leidet. Die sozialen Spannungen, die Armut und die Not werden noch erheblich zunehmen. Schon jetzt hat ein Drittel der griechischen Bevölkerung keine Krankenversicherung mehr; ein Viertel ist arbeitslos; die Hälfte aller Kredite wird nicht mehr bedient. Unter diesen gravierenden Umständen die Mehrwertsteuer zu erhöhen, ist ein sozialpolitisches Desaster.

Die drakonische Sparpolitik Griechenlands

Griechenland wird sich von dieser drakonischen Sparpolitik nicht mehr erholen, sondern noch weitaus tiefer in eine lang anhaltende wirtschaftliche Depression schlittern. Was bezweckt Alexis Tsipras mit seiner Vorlage? Hat das Referendum nicht der Sparpolitik eine deutliche Absage erteilt? Weshalb legt die griechische Regierung eine Woche nach dem Referendum ein noch härteres Sparprogramm in Brüssel vor? Ist eine solche Vorgehensweise nicht paradox?

Griechenland wird über viele Jahre auf Hilfen aus Brüssel angewiesen sein. Das Land hat unter diesen Bedingungen keinerlei Chance, sich jemals zu erholen.

Die Perspektiven der Eurozone und die Staatsschuldenkrise

Die Zukunft der Eurozone sieht düster aus; denn auch andere Länder sind unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig. Der Euro ist für die südeuropäischen Mitgliedsstaaten zu hart und für Nord- und Mitteleuropa zu schwach. Italien schiebt einen Schuldenberg vor sich her, der sich auf 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beläuft. In Spanien grassiert eine horrende Arbeitslosigkeit von 22 Prozent. In Frankreich verschlechtern sich die ökonomischen Rahmenbedingungen immer mehr.

Wenn keine grundlegenden Reformen erfolgen, die die Wettbewerbsfähigkeit erheblich verbessern, wird die Eurozone letztlich scheitern.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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