Der IWF steigt aus

02-Klippe-aDer Internationale Währungsfonds hat erklärt, dass er sich vorerst nicht am geplanten Rettungspaket für Griechenland beteiligen werde.

Damit werden die Verhandlungen in den kommenden Wochen in Brüssel sehr schwierig werden. Deutschland hatte bislang stets darauf beharrt, dass der IWF im Team bleibt. Doch was sind die Gründe für den Ausstieg?

Die geplanten Maßnahmen sind nicht nachhaltig

Es ist schon jetzt offensichtlich, dass das Rettungspaket scheitern wird. Griechenland wird in einer schweren ökonomischen Depression versinken; denn die noch zu bewilligenden Milliarden sollen in erster Linie die Zahlungsfähigkeit Athens gewährleisten. Investitionen werden aus anderen Töpfen der EU finanziert. Die rigiden Steuererhöhungen und die Sparmaßnahmen treiben das Land in eine verhängnisvolle Krise. Die ohnehin schon beispiellose Arbeitslosigkeit wird weiter steigen und die Verarmung der Bevölkerung zunehmen.

Auch sind die Annahmen der Eurogruppe völlig realitätsfern. So wird davon ausgegangen, dass Griechenland in den nächsten Jahren durch Privatisierungen und andere Maßnahmen 50 Milliarden Euro erwirtschaften kann. Doch diese Zahl von 50 Milliarden Euro wurde bereits 2011 als Ziel definiert. Wie illusorisch solche Zielmarken sind, zeigt die Realität. Griechenland schaffte es in vier Jahren gerade einmal, 3 Milliarden Euro aufzutreiben.

200 Prozent Schulden – Athens Zukunft

Angesichts dieser Faktenlage ist es nicht erstaunlich, dass der IWF sich zurückzieht. Experten rechnen nämlich damit, dass der Schuldenstand Athens in den nächsten Jahren auf über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen wird.

Griechenland wird über einen sehr langen Zeitraum auf Hilfen aus Brüssel angewiesen sein. Ein Schuldenerlass oder weitere Erleichterungen sind politisch aber nur schwer durchsetzbar. Denn weshalb sollte Athen bevorzugt werden, wenn Spanien, Portugal und Italien kein Entgegenkommen erwarten können? Früher oder später werden auch diese Länder gleiche Konditionen einfordern.

Über den Autor

geraldpilz

Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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