Die Fehler der Währungsunion

17-Muenze-aDie Lage in der Eurozone ist weiterhin kritisch. Zwar erhält Griechenland ein neues umfassendes Rettungspaket, aber die eigentlichen Grundprobleme der Währungsunion sind ungelöst.

Langfristig hat die Eurozone nur eine Chance, wenn die Mitgliedsstaaten weitere Reformen durchführen. Was sind die eigentlichen Fehler, die bei der Gründung der Eurozone begangen wurden?

Die Länder sind zu unterschiedlich

Auch wenn die Politik es nicht wahrhaben will: Die Eurozone steht auf einer fragwürdigen Basis. Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte war eine Währungsunion von Dauer. Dies gilt besonders dann, wenn die Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich sind. Selbst die skandinavische Währungsunion, die im 19. Jahrhundert ins Leben gerufen wurde und die relativ gute Voraussetzungen hatte, zerbrach einige Jahrzehnte später.

Die Eurozone besteht aus Ländern, die sich erheblich voneinander unterscheiden. Staaten wie Deutschland, Italien, Spanien und Griechenland sind zu verschieden hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit. Ein solcher Zusammenschluss funktioniert nur, wenn es erhebliche Transferzahlungen gibt. Alles andere ist eine Illusion.

Staatenbund oder Vereinigte Staaten von Europa?

Im Grunde gibt nur zwei Lösungswege für dieses Problem: Entweder die Länder halten eine eiserne Disziplin und erfüllen sämtliche Voraussetzungen, oder die Staaten sind bereit, enger zu kooperieren und eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik zu betreiben.

Der Versuch, sich an die Maastricht-Kriterien zu halten, ist vollständig gescheitert. Niemand hat sich in der Eurozone an die Regeln gehalten. Dies gilt auch und besonders für Deutschland, das nach 2001 mehrfach die Konvergenzkriterien verletzt hat. Der Verstoß Deutschlands und Frankreichs blieb ohne Sanktionen, was einen Freibrief für alle anderen Länder darstellte. Seit diesem Bruch wurden so ziemlich alle Vorschriften ignoriert oder aufgeweicht.

Die andere Lösung bestünde darin, den Weg für die Vereinigten Staaten von Europa zu ebnen. Etliche Vorschläge sind schon unterbreitet worden: eine koordinierte Wirtschaftspolitik, eine Harmonisierung der Steuern, eine gemeinsame Sozialpolitik (beispielsweise eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung), eine Haftungsunion im Bankwesen und ein eigenes Parlament für die Eurozone.

Eine solche engere Zusammenarbeit würde auch Transfers für ärmere Euroländer und eine gemeinsame Haftung für Euroanleihen nach sich ziehen. So wie Bayern für Mecklenburg-Vorpommern zahlt, müssten Staaten wie Deutschland oder die Niederlande Griechenland und Portugal unterstützen.

Doch diese engere Kooperation stößt auf erhebliche Vorbehalte: In Deutschland fürchtet man nicht zu Unrecht die beträchtlichen Kosten und eine weitere Destabilisierung der Währungsunion. In Frankreich lehnt man die Abtretung von Souveränitätsrechten ab, auch wenn man gerne das Gegenteil beteuert. Es ist unrealistisch zu glauben, dass eine engere Zusammenarbeit zustande kommt. Niemand will sich an die notwendigen Regeln der Haushaltsdisziplin halten, und eine engere Kooperation ist eigentlich auch nicht erwünscht. Damit ist das Ende der Währungsunion in der jetzigen Form früher oder später vorgezeichnet.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.