Die Eurozone vor dem Scheitern

10-Narr-aEs ist ruhiger geworden um den Euro, doch diese Ruhe könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Bislang ist keines der gravierenden Probleme der Eurozone gelöst. Ohne grundlegende und umfassende Reformen wird die Eurozone früher oder später scheitern.

Doch die Reformbereitschaft ist in fast allen Ländern erlahmt. Was werden die Folgen sein?

 

Es ergeben sich folgende Problempunkte:

  1. Deutschland ist geschwächt.
    Deutschland ist eines der wenigen Länder, das noch zur Stabilisierung der Eurozone beiträgt. Der jüngste Abgasskandal hat der deutschen Wirtschaft beträchtlichen Schaden und einen Imageverlust zugefügt. In den kommenden Monaten könnte die gesamte Eurozone in eine Rezession schlittern.
  2. Frankreichs Wirtschaft ist nicht wettbewerbsfähig.
    Die nächsten Wahlen werden für die Regierung in Paris zu einem Desaster. Die Arbeitslosenquote ist unvermindert hoch; und die französische Industrie verliert zunehmend Marktanteile.
  3. Großbritannien könnte die EU verlassen.
    Die Wahrscheinlichkeit für ein Ausscheiden Großbritanniens ist zwar gesunken, da die Kosten sehr hoch wären; aber dennoch ist die Stimmung auf der britischen Insel eher mit Ressentiments gegenüber der EU belastet. Ein Referendum könnte zu einem ähnlich knappen Ergebnis führen wie das Referendum in Schottland.
  4. Die Zentrifugalkräfte in der EU nehmen zu.
    Der Regionalismus gewinnt immer mehr an Bedeutung. Nicht nur in Schottland und Wales neigt man zur Abspaltung, sondern auch in Katalonien und in Belgien. Für einige Staaten bedeutet dies eine Kraftprobe mit ungewissem Ausgang. Allein in Belgien benötigte die Regierung vor einiger Zeit mehr als ein Jahr, um eine tragfähige Koalition zu bilden.
  5. Der Euro verliert an Wert.
    In den vergangenen 15 Monaten hat der Euro gegenüber dem US-Dollar dramatisch an Wert verloren. Für die Exportwirtschaft mag dieser Kurssturz ein enormer Vorteil sein. Auch Länder wie Frankreich, Italien und Spanien mit einer kaum wettbewerbsfähigen Industrie gewinnen auf diese Weise künstlich durch Währungsschwankungen Auftrieb. Langfristig aber ist die Euroschwäche ein kaum übersehbares Symptom für den Niedergang der Eurozone. Die Investoren werden die Eurozone verlassen, wenn die Krisen zunehmen.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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