Griechenland am Abgrund

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Die wirtschaftliche und soziale Lage in Griechenland verschlechtert sich immer mehr. Dass dies in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen wird, liegt daran, dass andere Themen im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen. Doch Griechenland wird früher oder später wieder die Schlagzeilen bestimmen. Denn die Situation ist so angespannt, dass die Eurokrise in absehbarer Zeit wieder auf die Agenda zurückkehrt.

Erschreckende Armut in Griechenland: 1,2 Millionen Arbeitslose

Die langen Jahre der schweren Rezession machen sich in Griechenland überall bemerkbar. Griechenland hat etwas mehr als 11 Millionen Einwohner; von diesen haben nur 3,6 Millionen Menschen eine Beschäftigung. Die Zahl der Arbeitslosen erreicht den Wert von 1,2 Millionen. Für die vergangenen Monate wird eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von fast 26 Prozent prognostiziert. Einer OECD-Statistik zufolge beträgt die Beschäftigungsquote lediglich 49,6 Prozent. In Deutschland liegt der Wert bei 74 Prozent.

Griechenland ohne Sozialstaat: Die Hälfte der Rentner unter dem Existenzminimum

In dem südeuropäischen Land sind viele Menschen verzweifelt. Je länger die Wirtschaftskrise anhält, desto mehr breitet sich die Armut aus. Erschwerend kommt hinzu, dass das soziale Netz in Griechenland völlig unzureichend ist. Das Arbeitslosengeld endet nach einem Jahr, und danach gibt es keine weitere staatliche Unterstützung. Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II sind in Griechenland unbekannt. Auch die Krankenversicherung fällt nach einem Jahr vollständig weg. Immer mehr Menschen in dem krisengeschüttelten Land können sich nicht einmal mehr einen Arztbesuch leisten. Rund die Hälfte aller Rentner bezieht eine Altersrente, die unterhalb des Existenzminimums angesiedelt ist. Die Reallöhne sind seit 2009 um mehr als 25 Prozent zurückgegangen.

Angesichts solcher dramatischen Zustände ist es verwunderlich, dass man in Brüssel und Berlin die soziale und wirtschaftliche Lage kaum zur Kenntnis nimmt. Athen ist zudem mit den Flüchtlingen völlig überfordert und befindet sich in einer prekären Situation.

Europa vor dem Niedergang

Während man in Brüssel und Berlin noch immer ohne Ergebnis debattiert, ist Europa kurz davor auseinanderzubrechen. Solidarität ist zu einer inhaltsleeren Floskel in der politischen Rhetorik avanciert. Der oft beschworene Zusammenhalt bröckelt, und die Ignoranz wächst. Was jetzt benötigt wird, sind konstruktive Lösungsvorschläge.

Wenn es nicht gelingt, die wirtschaftlichen Probleme schnell und wirksam zu lösen, wird sich die Lage drastisch verschlechtern. Die EZB kann durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik für ein paar Wochen eine Zwischenlösung bewirken. Doch die zugrunde liegenden Probleme müssen gelöst werden. Gelingt dies nicht, wird Großbritannien aus der EU ausscheiden, Frankreich fällt in eine schwere Rezession, der Euro verliert weiter an Wert, und die Eurozone löst sich auf. Die Taktik der behäbigen kleinen Schritte wird nicht mehr aufgehen; was jetzt benötigt wird, ist eine umfassende wirtschafts- und sozialpolitische Strategie.