Deutschland braucht mehr Existenzgründungen

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Die Krise in der Automobilindustrie hat einiges deutlich gemacht: Es ist fatal, sich mit dem Erreichten zu begnügen. Die Akteure in der Weltwirtschaft liefern sich einen permanenten Wettbewerb um die besten Ideen und die besten Technologien. Eine Verschnaufpause gibt es nicht. Doch Deutschland ist eines der Länder mit der geringsten Bereitschaft, Unternehmen zu gründen. Woran liegt das?

Am liebsten öffentlicher Dienst

Wer nach dem Studium oder der Berufsausbildung die Karriere beginnt, bevorzugt meist den öffentlichen Dienst: eine planbare Laufbahn, Sicherheit und eine sehr gute Altersvorsorge. An zweiter Stelle folgt die Angestelltenkarriere in einem großen, internationalen Konzern.

Die meisten schrecken indes davor zurück, sich selbstständig zu machen. Zwar werden Existenzgründer geschätzt und gelobt, aber kaum jemand erwägt, diesen Weg selbst einzuschlagen – zu unsicher sind die Perspektiven, zumal viele Unternehmen bereits in den Anfangsjahren scheitern. Selbstständige arbeiten oft mehr als zehn Stunden am Tag und auch am Wochenende, und die Arbeitsbelastung ist enorm.

Doch ohne Existenzgründungen verarmt eine Volkswirtschaft. Nur durch Innovation und Wettbewerbsfähigkeit kann sich eine Ökonomie behaupten.

Die Rahmenbedingungen in Deutschland

Existenzgründungen haben es in Deutschland nicht leicht. Ein Übermaß an Bürokratie, ein hochkomplexes Steuersystem und mangelnde Unterstützung erschweren die Schaffung neuer Unternehmen. Andere Länder sind in dieser Hinsicht viel weiter.

In den skandinavischen Staaten wird bereits im Schulunterricht das Thema Existenzgründung ausführlich und systematisch behandelt. In Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland sind die Einstellungen zur Selbstständigkeit wesentlich positiver.

Wohin eine fehlende Risikobereitschaft und eine mangelnde Innovationsfähigkeit führt, zeigt die verheerende Krise in der Automobilindustrie. Herausforderungen wie autonom fahrende Fahrzeuge, die Elektromobilität und die Vernetzung der Verkehrsinfrastruktur werden halbherzig angegangen. In überdimensionierten Konzernstrukturen benötigen neue Ideen länger als ein Antrag bei einer Behörde. Am Ende verliert eine ganze Branche den Anschluss an die internationale Entwicklung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis China sich anschickt, die Automobilindustrie und die Maschinenbaubranche herauszufordern.

Deshalb braucht Deutschland (und auch Europa) mehr Existenzgründungen und wesentlich bessere Rahmenbedingungen. Die Anmeldung einer Rechtsform muss innerhalb einer Viertelstunde online möglich sein. Eine Steuererklärung sollte nicht mehr als zehn Minuten in Anspruch nehmen. Bürokratische Vorschriften sollten vereinfacht und auf ihre Effizienz hin untersucht werden. Rahmenbedingungen sollten in der gesamten EU einheitlich gelten. Auf diese Weise wird auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit gefördert.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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