Ungewöhnliche Prognosen für das Jahr 2016

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Ein beliebtes und amüsantes Spiel der Medien besteht darin, am Jahresende mehr oder weniger wahrscheinliche Vorhersagen zu machen. Besondere Aufmerksamkeit erhalten jene Prognosen, die so haarsträubend und ungewöhnlich sind, dass kaum jemand sie für wahrscheinlich hält. Betrachten wir einmal ein paar kühne Thesen aus Wirtschaft und Politik und wie wahrscheinlich sie sind.

  1. These: Der Goldpreis steigt im nächsten Jahr auf 10.000 US-Dollar.
    Geschätzte Wahrscheinlichkeit: 0%
    Zwar gibt es unverbesserliche Goldanhänger, die solche Werte für glaubhaft halten, aber dass das gelbe Edelmetall einen solchen Gipfel erreicht, ist mehr als unwahrscheinlich. Ein deutlicher Anstieg des Goldpreises setzt nämlich Folgendes voraus: Die Realverzinsung muss deutlich sinken. Dies ist dann der Fall, wenn die Zinsen zurückgehen und gleichzeitig die Inflation steigt. Im Prinzip ist Gold aber kein Gradmesser für eine Krise (im Gegenteil: In einer Krise sinkt der Goldpreis zuerst, da institutionelle Anleger wie Hedgefonds und Großinvestoren Gold abstoßen müssen, um ihre Kredite abzubauen). Gold legt vor allem in einer Vertrauenskrise zu (beispielsweise wenn die Staatsschuldenkrise das Weltfinanzsystem kollabieren ließe).
  2. These: Der Bitcoin erreicht eines Tages einen Wert von 100.000 Euro.
    Geschätzte Wahrscheinlichkeit: 20%
    Es ist zwar relativ unwahrscheinlich, dass die Kryptowährung auf einen Spitzenwert von 100.000 Euro klettert, aber ein weiterer Anstieg ist durchaus realistisch. Denn nur 21 Millionen Einheiten sind in diesem Konzept vorgesehen, und das ist die absolute Obergrenze. Als der Bitcoin 2009 erstmals erzeugt wurde, konnte man einen Bitcoin für weniger als einen Euro erwerben. Inzwischen kostet eine solche virtuelle Münze immerhin 327 USD. Zeitweise stieg der Wert im November auf einen Kurs von über 450 USD. Problematisch bleibt aber die Unsicherheit bei der Speicherung und Aufbewahrung von Bitcoins.
  3. These: Eine weltweite Staatsschuldenkrise bricht 2016 aus.
    Geschätzte Wahrscheinlichkeit: 30%
    Zwar sind einige Länder hoch verschuldet und auch Griechenland befindet sich weiterhin am Rand eines Abgrunds; aber die Europäische Zentralbank wird im Zweifelsfall die Märkte mit weiteren Billionen überschwemmen. Ehe das endgültige Aus kommt, können noch unzählige Jahre vergehen.
  4. These: Griechenland erhält einen Schuldenerlass.
    Geschätzte Wahrscheinlichkeit: 70%
    Vielleicht wird man es nicht „Schuldenerlass“ nennen; aber die Wahrscheinlichkeit ist äußerst hoch. Denn Griechenland wird 2016 voraussichtlich mit mehr als 180 bis 190 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet sein. Ein solches Niveau führt früher oder später zum wirtschaftlichen Kollaps. Allerdings hat Athen bereits umfangreiche Erleichterungen erhalten. Aber diese reichen angesichts der mangelnden Reformbereitschaft immer noch nicht aus.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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