Die Gefahr der niedrigen Zinsen

09-Tempel-dDie niedrigen Zinsen, die seit Jahren anhalten, haben langfristig gravierende Folgen. In der gesamten Wirtschaftsgeschichte gab es noch nie eine solche Situation. In der Eurozone steht der Leitzins bei 0,05 Prozent.

Etliche Staatsanleihen (insbesondere bei den kürzeren Laufzeiten) sind mit einer Negativverzinsung verbunden. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Der Immobilienmarkt

Noch nie war die Finanzierung eines Hauses oder einer Eigentumswohnung so günstig wie heute. Doch langfristig führt dies zur Überhitzung der Märkte und zur Gefahr einer Immobilienkrise. In Deutschland wird zwar solide finanziert und zumeist ein Eigenkapitalanteil von 20 Prozent vorausgesetzt, aber der Anstieg der Immobilienpreise in den Ballungszentren könnte sich verhängnisvoll auswirken. Schon jetzt sinken die Renditen für Objekte, die als Kapitalanlage genutzt werden.

Das Ende der traditionellen Altersvorsorge

Noch verheerender ist die Auswirkung auf die Altersvorsorge. Da viele Staatsanleihen mit einer akzeptablen Bonität nur noch eine Verzinsung von weit unter einem Prozent abwerfen, geraten institutionelle Investoren in Probleme. Sowohl die klassische Renten- und Kapitallebensversicherung als auch die betriebliche Altersversorgung können kaum noch lukrative Renditen erzielen. Ganze Generationen werden im Alter viel weniger zur Verfügung haben als geplant. Auch Sparer werden durch das Niedrigzinsniveau eher ärmer. Das Problem der Altersarmut wird in den kommenden 10 bis 15 Jahren dramatisch zunehmen.

Symptom einer schweren Wirtschaftskrise

Das Niedrigzinsniveau in Europa ist Ausdruck einer schweren, hartnäckigen Wirtschaftskrise, die seit 2008 anhält. Darüber täuschen auch die vermeintlichen konjunkturellen Aufschwünge und das geringfügige Wirtschaftswachstum nicht hinweg. Die äußerst hohe Staatsverschuldung erlaubt es nicht mehr, die Leitzinsen auch nur geringfügig anzuheben, und trotz des historischen Niedrigniveaus springt die Konjunktur nicht im gewünschten Maße an. Es besteht das Risiko, dass Europa ein ähnliches Schicksal wie Japan erleidet: eine lange Phase der Deflation ohne Aussicht auf eine Erholung. Je länger diese Stagnation anhält, desto schwieriger wird die wirtschaftliche Lage in der Eurozone.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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