Hat der Euro eine Zukunft?

17-Muenze-aViele Kritiker haben dem Euro ein frühes Scheitern prophezeit; doch die gemeinsame europäische Währung gibt es noch immer. Auch schwere Krisen und ständige Turbulenzen in Europa konnten der Währungsunion nichts anhaben. Auch den Bruch des Maastricht-Vertrags und die Verletzung der Stabilitätskriterien konnte die Währung überstehen. Ist der Euro also zukunftsfähig? Wird es ihn noch im Jahr 2030 oder 2040 geben?

Das Problem der Wettbewerbsfähigkeit

Der Euro könnte langfristig am Problem der Wettbewerbsfähigkeit scheitern. Schon jetzt sind Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich nur noch eingeschränkt wettbewerbsfähig. Während Deutschland ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum aufweist und beträchtliche Handelsbilanzüberschüsse erzielt, ist die wirtschaftliche Lage in den Mittelmeerländern mehr als schlecht. Noch immer konnten sich diese Ökonomien nicht von der Krise im Jahr 2008 erholen. Die Staatsverschuldung ist sogar permanent weiter gestiegen.

Wegen des Euros ist eine Währungsabwertung in den Einzelstaaten nicht mehr möglich. Ein Land ist nur noch dann wettbewerbsfähig, wenn es sich in der Weltwirtschaft aufgrund technologischer Fortschritte, niedrigerer Preise oder höherer Qualität behaupten kann.

Eine drastische Abwertung fand aber dennoch in der Eurozone statt. Dank der expansiven Geldpolitik der EZB verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar innerhalb von wenigen Jahren erheblich an Wert. Im Jahr 2011 kostete ein Euro 1,48 US-Dollar. Im März 2015 notierte der Euro dagegen nur noch bei 1,04 US-Dollar.

Trotz dieser massiven indirekten Abwertung sind etliche Länder in der Eurozone noch immer nicht wettbewerbsfähig. Eigentlich müsste die Eurozone längst zu einer prosperierenden Boomregion in der Weltwirtschaft avancieren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Das ist ein erschreckender Zustand und offenbart, dass die wirtschaftliche Situation in Europa mehr als ernst ist. Selbst eine solche Abwertung des Euro gegenüber der Weltleitwährung US-Dollar konnte die Eurozone nicht voranbringen.

Die hohe Staatsverschuldung

Trotz der konjunkturellen Hilfe durch die EZB steigt die Staatsverschuldung nämlich unaufhörlich weiter. Griechenland ist im Prinzip am Ende, und Italien weist einen Schuldenstand von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf. Die Mehrheit der Länder in der Eurozone überschreitet bei weitem den Verschuldungsgrad von 60 Prozent, der in den Maastricht-Verträgen verbindlich vorgeschrieben wird.

Generell wurden bislang nahezu sämtliche Regeln, die ursprünglich vereinbart wurden, gebrochen oder außer Kraft gesetzt.

Ist der Euro zukunftsfähig?

Angesichts der Tatsache, dass die Staatsverschuldung weiter steigt, das Ungleichgewicht in der Eurozone immer mehr zunimmt und die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, sieht die Perspektive des Euro eher düster aus. Wenn nicht ein Wunder geschieht und die Staaten die dringendsten Probleme in absehbarer Zeit lösen, dürfte das Schicksal der Gemeinschaftswährung besiegelt sein.

Der Euro wird nicht im nächsten Jahr scheitern. Denn die EZB wird das Ende lange hinauszögern können. Doch ob es den Euro im Jahr 2030 noch geben wird, ist fraglich. Ohne einschneidende und verbindliche Reformen in allen Ländern der Eurozone hat die Gemeinschaftswährung keine Chance.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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