Die neue Weltwirtschaftskrise?

15-Sonne-aDas Jahr 2016 beginnt bereits als ein Krisenjahr. Die Börse in China ist abgestürzt, und auch in den anderen Ländern geben die Kursnotierungen deutlich nach.

Besonders beunruhigend ist der drastische und erschreckende Verfall der Rohstoffe, und die Rezessionen in einigen Schwellenländern wie Brasilien. Befinden wir uns in einer neuen Weltwirtschaftskrise?

War 2007/2008 der Anfang vom Ende?

Wenn man die vergangenen Jahren betrachtet, stellt man erstaunt fest, dass einige Staaten noch immer nicht an das Leistungsniveau von 2007 anknüpfen konnten. Zahlreiche Länder in der Eurozone haben trotz aller konjunkturfördernden Maßnahmen die Krise noch immer nicht überwunden. Im Gegenteil: Die Staatsverschuldung ist in den meisten Ländern kontinuierlich gestiegen. Selbst Deutschland hat den Schuldenstand bislang nicht um einen einzigen Euro verringert. Die „schwarze Null“ bedeutet nur eine Stabilisierung auf einem hohen Level, und selbst diese ist fragil.

Die Arbeitslosigkeit in einigen Mittelmeerländern erreicht weiterhin Rekordhöhen. In einigen Regionen Spaniens liegt die Quote bei über 30 Prozent. Noch unerträglicher ist die Jugendarbeitslosigkeit, die sich manchenorts bei über 50 Prozent einpendelt. Es wächst eine verlorene, desillusionierte Generation heran.

Der Wohlstand ist brüchig geworden; noch immer gibt es in Griechenland umfassende Kapitalverkehrskontrollen. Sozialstaatliche Leistungen werden eingeschränkt oder sind gar nicht vorhanden. So gibt es in Griechenland nach einem Jahr ohne Beschäftigung keinerlei Unterstützung.

Europa vor der Zerreißprobe

Die Eurozone ist in einem besonders bedenklichen Zustand. Langfristig wird sich der Euro nur halten können, wenn es eine stärkere wirtschaftspolitische Kooperation gibt und wenn die Wettbewerbsfähigkeit erheblich verbessert wird. Doch Länder wie Italien mit einer äußerst hohen Staatsverschuldung und Frankreich mit einem permanent defizitären Haushalt zeigen wenig Bereitschaft, auf den Wachstumspfad zurückzukehren.

Weiterhin verbreiten sich Regionalisierungstendenzen, die die EU zerreißen könnten. Ein Brexit ist noch immer nicht unwahrscheinlich, auch wenn Brüssel größere Zugeständnisse macht, und anderenorts sind Abspaltungserscheinungen sichtbar. Schottland und Katalonien seien als Beispiele genannt. Selbst in Finnland wird bereits über einen Austritt aus der EU nachgedacht. Auch der Wertekonsens in Europa steht auf dem Prüfstand, wie die Entwicklungen in Polen und Ungarn verdeutlichen.

Die Krise der Weltwirtschaft

Alle Welt schaut gebannt nach China. Gelingt es Peking, das Wachstum wieder voranzutreiben? Für Deutschland ist China einer der bedeutendsten Exportmärkte. Am schlimmsten ist jedoch der drastische und nahezu beispiellose Verfall der Rohstoffpreise. Einige Länder geraten an den Rand des Ruins, was zu bedenklichen Konflikten im Nahen Osten führt.

Der dramatische Abwärtstrend der Rohstoffe, der längst alle Bereiche wie beispielsweise die Industriemetalle und manche Agrarrohstoffe erfasst hat, erinnert an die verhängnisvolle Deflationsspirale in den 1930er Jahren, die letztlich in eine Jahrhundertkatastrophe mündete.

Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, die anstehenden Probleme zu lösen. Die EU sollte ein Vorbild sein und die Kooperation und den Zusammenhalt stärken. Die Wirtschaftsprobleme, die zu dieser Situation geführt haben, müssen endlich konstruktiv gelöst werden. Ein Zögern oder „Aussitzen“ dieser Lage würde nur das Desaster verschlimmern.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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