Warum die Eurozone scheitern wird

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Die Eurozone wird nicht von Dauer sein. Dies mag eine gewagte Prognose darstellen, aber viele der Probleme, die zum Zerfall führen werden, sind schon jetzt offensichtlich. Die Politik hat zu viel Zeit verstreichen lassen, und seit dem Ausbruch der Krise in den Jahren 2007 und 2008 wurden kaum Maßnahmen durchgesetzt, die den Erhalt der Eurozone hätten sichern können. Betrachten wir die Problemfelder im Einzelnen.

Die hohe Staatsverschuldung

Die Staatsschulden steigen kontinuierlich weiter. Alle gebetsmühlenartigen Beteuerungen aus den Hauptstädten wirken wie ein zynischer Kommentar zur bitteren Realität: In fast allen Mitgliedsstaaten der Eurozone sind die Schulden gewachsen. Italien erreicht Rekordwerte von über 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Hierbei sind die impliziten Staatsschulden noch nicht einmal berücksichtigt.

Historisch betrachtet hat sich das Problem immer mehr zugespitzt. In den fünfziger und sechziger Jahren war die Staatsverschuldung relativ gering. Erst in den siebziger Jahren und den nachfolgenden Dekaden begann man, den Wohlstand durch üppige Kredite zu finanzieren. Wie in allen vergangenen Epochen der Wirtschaftsgeschichte endet ein solcher Schuldenberg früher oder später in einem ökonomischen Desaster.

Experten schätzen, dass allein in der Eurozone 3 Billionen Euro an Krediten früher oder später abgeschrieben werden müssen. Anders als in den USA wurden auch kaum Maßnahmen ergriffen, um das europäische Bankensystem zu rekapitalisieren. An dem Tag, an dem deutlich wird, dass 3 Billionen Euro in der Eurozone verloren sind, wird eine Krise ausbrechen, die in der Geschichte beispiellos ist.

Gibt es noch Lösungen?

Die Vorstellung, man könnte einen solchen Schuldenberg durch eine rigide Haushaltspolitik und emsiges Sparen abtragen, ist mehr als naiv. Eine solche Austeritätspolitik wird die Krise eher noch erheblich verschärfen. Der einzige Ausweg ist vermutlich ein konsequenter Schuldenschnitt, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt.

Für den Einzelnen bedeutet dies auch erhebliche Einbußen. Hierzu gehören höhere Steuern und geringeres Wirtschaftswachstum. Die soziale Kluft zwischen Arm und Reich wird sich weiter vergrößern.

Griechenland und Großbritannien als Krisenbeschleuniger

Griechenland wird weitere Milliardenhilfen benötigen. Das Land ist ohnehin schon am Rand des Abgrunds. Sollte Athen irgendwann beschließen, die Eurozone zu verlassen, würde dieser Schritt die Desintegration weiter anheizen. Schon jetzt ist die Bereitschaft, den Zusammenhalt zu stärken, in manchen Mitgliedsstaaten gering ausgeprägt.

Ein weiterer Belastungsfaktor könnte der Austritt Großbritanniens aus der EU sein. Auch wenn viele glauben, dass die Zugeständnisse an London ausreichen, um ein positives Votum für Europa zu erzielen, ist dies keineswegs sicher. Auf der britischen Insel überwiegt die Skepsis gegenüber Brüssel.

Insgesamt betrachtet steht die Eurozone vor einer enormen Belastungsprobe; und die bisherigen Maßnahmen deuten nicht darauf hin, dass die Mitgliedsstaaten einer solchen Herausforderung gewachsen sind.

Über den Autor

geraldpilz

Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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