Die Rentenkrise und die Niedrigzinsen

15-Sonne-aDas historische Niedrigzinsniveau von 0 Prozent führt zu immer größeren Schwierigkeiten. Besonders betroffen ist die Altersvorsorge. In Europa wird vorwiegend in verzinsliche Anlageformen und insbesondere in Staatsanleihen investiert. Die Folgen sind verheerend und machen sich langfristig bemerkbar. Ohne einen Kurswechsel ist die Altersarmut eines größeren Teils der Bevölkerung vorprogrammiert.

Das Ende der Altersvorsorge

Anders als in den USA beruht die Altersvorsorge in Europa auf verzinslichen Anlagen. Doch diese werden bei einem Leitzins von 0 Prozent völlig entwertet. Betroffen sind nicht nur Kapitallebens- und private Rentenversicherungen, sondern auch die betriebliche Altersversorgung und berufsständische Versorgungswerke.

Traditionell investieren diese Institutionen in Staatsanleihen, zumal diese vom Gesetzgeber unsinnigerweise begünstigt werden. Staatsanleihen müssen nämlich nach der Richtlinie Solvency II nicht mit zusätzlichen Sicherheiten unterlegt werden. Diese Regelung gilt auch für spanische, italienische und griechische Staatsanleihen. Aktien hingegen benötigen bis zu einem Wert von 49 Prozent zusätzliche Sicherheiten. Es ist grotesk: Länder, die sich am Rande der Insolvenz befinden, können Staatsanleihen begeben, die dann von Versicherungsgesellschaften ohne jede weitere Vorsichtsmaßnahme ins Portfolio übernommen werden können. Die Aktien solider Unternehmen, die es seit mehr als 100 Jahren gibt, müssen hingegen bis zu 49 Prozent zusätzlich abgesichert werden. Die Folgen sind klar: Versicherungen und Pensionsfonds verzichten auf Aktien.

Sollten jedoch innerhalb der Eurozone mehrere Staaten zahlungsunfähig werden, würden etliche Versicherungen und Banken aufgrund der Staatsanleihen in beträchtliche Schwierigkeiten geraten.

Doch ein weiteres Problem kommt hinzu: Die Renditen, die sich mit Rentenpapieren erwirtschaften lassen, liegen inzwischen deutlich unterhalb der Garantien, die gegeben wurden. Versicherungen und Pensionsfonds geraten zunehmend unter Druck. Dies bedeutet: Private und betriebliche Renten werden erheblich sinken. Dasselbe gilt für Riester- und Rürup-Renten.

Betriebsrenten als Ablenkungsmanöver

Das Niedrigzinsniveau hat jedoch noch weitere Auswirkungen: An den Immobilien- und Aktienmärkten entstehen Blasen. Wer jetzt noch in seiner Altersvorsorge auf Immobilien setzt, erzielt nur noch kümmerliche Renditen. Denn in vielen Regionen sind die Märkte bereits überhitzt. Immobilien werden für die Altersvorsorge zu einem Risiko.

Die hohe Staatsverschuldung, das niedrige Wirtschaftswachstum und ein Zinsniveau von 0 Prozent gefährden die Altersversorgung. Umfassende Reformen sind umgänglich. Die Vorschläge der Politik sind aber halbherzig und eher unausgegoren. So wird vorgeschlagen, die betriebliche Altersvorsorgung zu stärken. Man sollte eines bedenken: Nur große Konzerne in der Exportindustrie bieten der Belegschaft ausreichend hohe Betriebsrenten. Im Handel und im Dienstleistungssektor sind nicht selten keine Betriebsrenten vorhanden oder nur in einer geringen Höhe.

Sinnvoller wäre es, ein zukunftsträchtiges Sozialsystem zu entwickeln, das auch den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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