Griechenland: Die Krise geht unvermindert weiter

09-Tempel-aDie Reformen in Griechenland haben bislang kaum greifbare Ergebnisse erbracht. Noch immer jongliert das Land am Rande eines Abgrunds. Weder das Wirtschaftswachstum noch die Arbeitslosenquote haben sich merklich verbessert. Athen ist weiterhin auf umfangreiche Milliardenhilfen aus der EU angewiesen. Doch nun zeichnet sich ein weiteres Problem ab, das die Entwicklung drastisch beschleunigen könnte.

Welche Rolle spielt Großbritannien?

In der EU fürchtet man nichts so sehr wie einen Austritt Großbritanniens. Ein solcher Präzedenzfall könnte auch andere Mitgliedsstaaten dazu verleiten, ein Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union abzuhalten. Schon diese Vorstellung wäre für viele in der EU-Politik ein Albtraum.

Daher wird man alles unternehmen, um London in der EU zu halten. Doch bei einem Referendum sind die Einflusschancen ungewiss. Schnell kann es zu einem abrupten Stimmungswandel kommen. Man möchte daher sicher sein, dass Griechenland nicht zu einem Problemfall unmittelbar vor dem kritischen Termin wird. Würde Athen weitere unzählige Milliarden benötigen, um einen chronisch defizitären Haushalt auszugleichen, wäre dies Wasser auf den Mühlen der EU-Gegner. Deshalb möchte man das Problem von der Agenda haben.

Die Lösung: Griechenland bekommt einen umfassenden Schuldenschnitt. Doch in Berlin dürfte diese Initiative auf wenig Resonanz stoßen. Sie wäre auch nur schwer zu vermitteln, denn auch andere Länder wie Spanien und Italien könnten einen solchen Cut einfordern.

Fazit

Die Situation ist verfahren. Griechenland wird ohne einen Schuldenerlass sich nicht mehr erholen. Und selbst danach wird Athen auf weitere Hilfen angewiesen sein. Ein Schuldenschnitt wäre ein ernster Präzedenzfall, denn diesmal müssten auch die öffentliche Hand und möglicherweise die EZB Forderungen abschreiben. Man wird daher auf eine „leise“ Lösung setzen. Eine weitere Verlängerung der Verbindlichkeiten wird dann als eleganter Ansatz in der Öffentlichkeit verkauft. Die Frage ist nur: Was geschieht, wenn auch Italien und Spanien eine solche weitere Verlängerung fordern, die nichts anderes ist als ein kaschierter Cut? Die Zukunft der Eurozone ist düster. Andere Regionen der Weltwirtschaft sind weitaus besser aufgestellt.

Über den Autor

geraldpilz

Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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