Griechenland: Die zunehmende Armut

15-Sonne-cDie Armut und das soziale Elend in Griechenland verschärfen sich von Tag zu Tag. Die Sparpolitik hat dramatische Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung. Überall sind die Folgen sichtbar. Langfristig wird Athen diesen harten Kurs nicht durchhalten können. Es ist auch eine bedenkliche Illusion zu glauben, Griechenland könne durch harte Sparauflagen saniert werden. Im Gegenteil: Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst.

Die bitteren Folgen der Sparpolitik

Viele jüngere Griechen wohnen inzwischen wieder bei ihren Eltern, die häufig nur auf ihre Altersrente angewiesen sind. Die Renten wurden jedoch im Zuge der eisernen Sparpolitik erheblich gekürzt, und zwar um inzwischen 45 Prozent. Der Mindestlohn wurde reduziert; Sonderzahlungen im öffentlichen Dienst wurden vollständig gestrichen.

Es wird geschätzt, dass mehr als ein Drittel der griechischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt. Darüber hinaus hat ein Drittel der Menschen keine Krankenversicherung mehr. Die Arbeitslosenquote liegt weiterhin bei erschreckenden 25 Prozent. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen unter 25 Jahren findet keine Stelle. Dabei sollte man wissen: In Griechenland wird Arbeitslosengeld nur ein Jahr lang ausbezahlt. Danach gibt keine staatliche Unterstützung mehr.

Die Staatsschulden in Griechenland werden dieses Jahr auf über 190 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Unter den entwickelten Staaten ist nur Japan mit 250 Prozent des BIP noch höher verschuldet. Schon bei einer Staatsverschuldung von 100 Prozent wird eine Rückzahlung schwierig. Verschuldungsstände von 190 Prozent sind der sichere ökonomische Untergang.

Das Schweigen vor dem Brexit

Das Thema Griechenland wird tunlichst von der Agenda gestrichen; denn im Juni 2016 kommt es zur entscheidenden Frage: Wird Großbritannien die EU verlassen? Das Referendum könnte sehr knapp ausfallen. Daher wird alles vermieden, was einen Austritt Großbritanniens beschleunigen könnte. Unangenehme Nachrichten aus Athen über hohe Schuldenstände und neue Rettungspakete sind daher wenig opportun.

Griechenland wird früher oder später einen Schuldenerlass bekommen. Schon jetzt wurde durch eine gestreckte Tilgung und Zinssenkungen faktisch ein Cut durchgesetzt. Der eigentliche Schuldenschnitt für Athen wird kommen: nach der Bundestagswahl. Milliardenverluste, die durch den Ausfall entstehen, will man der Wählerschaft nicht zumuten.

Über den Autor

geraldpilz Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

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