Griechenland und der Schuldenerlass

10-Narr-aHerzlichen Glückwunsch, Athen! Die Schulden wurden erlassen. Was wie eine merkwürdige Satire anmutet, ist längst Realität. Niemand in Brüssel oder Berlin rechnet jemals damit, dass Griechenland die Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe wird tilgen können. Im Gegenteil: Immer neue Rettungspakete müssen aufgelegt werden, um das krisengeschüttelte Land zu unterstützen. Wer genau hinschaut, hat längst erkannt, dass Griechenland einen Cut bekommen hat. Die Schulden wurden bereits gestrichen. 

Zahlung im 22. Jahrhundert

Natürlich wird man weder in Brüssel noch in Berlin das Wort „Schuldenschnitt“, „Schuldenerlass“ oder „Cut“ in den Mund nehmen. Das wäre fatal und würde nur unnötig Wählerstimmen kosten. Aber faktisch wurden sämtliche Verbindlichkeiten erlassen.

Der Trick besteht darin, bestehende Verbindlichkeiten einfach um Jahrzehnte zu verlängern. Einige wenige Staaten geben übrigens Staatsanleihen heraus, die 100 Jahre laufen oder sogar eine unbegrenzte Dauer (Perpetuals) haben. Eine Verlängerung der Verbindlichkeiten bewirkt in der Praxis nichts anderes als einen Schuldenerlass, zumal auch die Zinsen für einen gewissen Zeitraum ausgesetzt und verringert wurden.

Inzwischen wird bereits erwogen, dass Griechenland erst im Jahr 2040 mit der Rückzahlung beginnen soll und sich dafür bis 2080 Zeit lassen soll. Noch besser wäre es doch eigentlich, die Staaten müssten ihre Schulden erst im 22. Jahrhundert tilgen. Dann kann das ohnehin niemand überprüfen. Angesichts der Diskussion um die Staatsschulden kann man sich auch als Autor eines gewissen Zynismus nicht mehr enthalten.

Realistisch betrachtet muss man feststellen, dass Griechenland niemals in der Lage sein wird, die Milliardensummen zurückzuzahlen. Die gesamten Rettungspakete sind verloren. Die entscheidende Frage wird nur sein: Wie lange kann dieses Spiel fortgesetzt werden? Die Eurozone wird immer mehr zurückfallen und an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Statt das Problem grundsätzlich zu lösen und die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Region zu erhöhen und zu fördern, versucht man, durch große Geldmengen eine temporäre Konjunktur zu erzeugen. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt uns, dass solche Finessen immer im ökonomischen Niedergang enden.

Über den Autor

geraldpilz

Dr. Dr. Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.